Kanji 捨 (Gleichmut) in Pinselschrift
捨

Japanisch  sha
Aussprache  etwa scha

Gleichmut, wegwerfen

Wegwerfen im Alltag, im Buddhismus der Gleichmut: das Zeichen für die offene Hand.

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Was ist das Kanji für Gleichmut?

Nicht alles, was wir tragen, müssen wir festhalten. 捨 (sha) ist das Kanji für Gleichmut, für einen Geist, den Freude und Leid nicht aus der Mitte kippen. Im Alltag liest man dasselbe Zeichen suteru und meint wegwerfen. Dazwischen liegt eine Hand, die loslässt.

Das Zeichen

Links steht die Hand. Rechts ruht ein breiter Zeichenblock, der den Klang gibt. Zusammen entsteht das Bild einer Hand, deren Finger sich öffnen. Wohin das Losgelassene fällt, sagt das Zeichen nicht.

Wer etwas wegwirft, trennt sich davon. Wer gern und freiwillig etwas weggibt, öffnet ebenfalls die Hand. Dasselbe Zeichen steht in 喜捨 (kisha), der freudigen Gabe an Tempel und Schreine, an Mönche und arme Menschen. Für den Gleichmut wird die offene Hand zu einem Bild: Sie greift nicht nach dem Angenehmen und stößt das Unangenehme nicht fort.

Haiku

Die offene Hand
hält nichts fest und bleibt dennoch
dem Augenblick nah

Im Zen

Beim Sitzen kommen die Dinge von selbst: ein Geräusch im Haus, ein Gedanke an morgen, ein Augenblick der Ungeduld. Gleichmut heißt, sie kommen und gehen zu sehen, ohne dem Angenehmen nachzulaufen oder vor dem Unangenehmen zu fliehen. Im Pāli heißt diese Haltung upekkhā. Sie gehört zu Güte, Mitgefühl und Mitfreude. Die vier tragen einander. Ohne die anderen drei kann Gleichmut in kalte Unempfindlichkeit kippen.

In der Altbäckersmühle

Im Essay Was wir unseren Eltern nicht abnehmen können steht: „Gleichmut heißt nicht, dass ein anderer Mensch uns nicht berührt.“ Etwas später folgt: „Fehlt der Gleichmut, wird das Mitgefühl unruhig.“ Im Essay Zen im japanischen Militarismus steht über Güte, Mitgefühl und Mitfreude: „Gleichmut ohne diese drei Geschwister ist keine reife Frucht der Übung, sondern ihre Verkürzung“. Auf der Seite Loslassen heißt es vom Zeichen 放: „Sein Nachbar 捨 (sha) bezeichnet auch Weggeben, Gleichmut und Gabe.“ Die vier Haltungen als Reihe stehen auf der Seite Mitgefühl.

Überlieferung

Im Pāli heißt der Gleichmut upekkhā, im Sanskrit upekṣā. In chinesischen Übersetzungen erhielt er das Zeichen 捨, das man in Japan sha liest. Er steht an mehreren Orten der Lehre: unter den vier unermesslichen Geisteshaltungen, unter den sieben Gliedern des Erwachens und als Empfindung, die weder angenehm noch unangenehm ist. Unter den zehn Vollkommenheiten der Pāli-Überlieferung kommt er zuletzt. Im 5. Jahrhundert unterschied Buddhaghosa im Visuddhimagga den Gleichmut von einer scheinbar ähnlichen Gleichgültigkeit, die auf Unwissenheit beruht.

Häufige Fragen

Heißt 捨 nicht einfach wegwerfen?

Im Alltag ja. 捨てる (suteru) heißt wegwerfen oder aufgeben, und 断捨離 (danshari) kennt man als Ausmisten. Im buddhistischen Zusammenhang wird 捨 sha gelesen und bezeichnet Gleichmut.

Ist Gleichmut dasselbe wie Gleichgültigkeit?

Nein. Gleichgültigkeit wendet sich ab, weil nichts mehr zählen soll. Gleichmut bleibt berührbar, ohne an Zustimmung, Abneigung oder einem gewünschten Ergebnis festzuhalten. Buddhaghosa trennte beides ausdrücklich.

Schreibt man rechts 舎 oder 舍?

In der heutigen japanischen Form steht 舎, in der älteren japanischen und in der chinesischen Form 舍. Es ist derselbe Lautteil in verschiedenen Schreibformen.

Für Expert:innen

捨 hat elf Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 64 (手, Hand), in der Seitenform 扌. Es ist ein Jōyō-Zeichen der Schulstufe 6 und steht in nicht amtlichen JLPT-Listen bei N2. Kanjipedia führt ein 旧字 mit 舍 und ebenfalls elf Strichen; das vereinfachte Chinesisch schreibt 舍. Nach 角川新字源 ist die ältere Form ein Laut-Bedeutungs-Zeichen aus 手 und dem Lautteil 舍; die heutige Schulform mit 舎 beruht auf einer 俗字. Das englische und das japanische Wiktionary, das 普及版 字通 und das 漢語多功能字庫 beschreiben ebenfalls Hand und Lautteil. Nur das 普及版 字通 deutet 舍 zusätzlich als Nadel mit großem Griff, die ein Gefäß mit einem Gebet durchsticht und seine Kraft aufhebt, daher wegwerfen, und nur das 漢語多功能字庫 nennt 捨 ein 分化字 von 舍.

Die On-Lesung ist sha, die Kun-Lesung suteru, außerhalb der amtlichen Liste hodokosu. Gebräuchlich sind 捨てる suteru, wegwerfen, und 捨て子 sutego, Findelkind. Nicht als gebräuchlich geführt sind 捨 sha, Gleichmut, 喜捨 kisha, die freiwillige Gabe an Tempel und Schreine, an Mönche und arme Menschen, 取捨 shusha, Auswahl, und 断捨離 danshari, Ausmisten. Für 喜捨 nennt das 精選版 日本国語大辞典 als Erstbeleg das 天柱集, um 1348. Als Gleichmut gibt 捨 Sanskrit upekṣā und Pāli upekkhā wieder; das Sanskritwort kann auch Vernachlässigung oder Gleichgültigkeit bedeuten.

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