Kanji 老師 (Rōshi) in Pinselschrift
老師

Japanisch  Rōshi
Aussprache  etwa roo-schi

Ehrende Zen-Anrede

Ehrende Anrede für eine Zen-Lehrperson, je nach Schule verschieden gebraucht.

Im interaktiven Werkzeug öffnen →

Was ist das Kanji für Rōshi?

Jemand wird mit einem Wort angesprochen, das „alter Lehrer“ heißt, und ist vielleicht fünfzig. 老師 (rōshi) ist im Zen eine achtungsvolle Bezeichnung für eine Lehrperson. Das Wort bescheinigt weder Unfehlbarkeit noch eine überall gleiche Ausbildung.

Das Zeichen

老 zeigt nach einer der Herleitungen einen Menschen, der mit Stock und langem Haar alt geworden ist. 師 führte von einer versammelten Truppe und ihrer Leitung zum Lehrer und Vorbild. Im Wort stehen also Erfahrung und Lehren nebeneinander.

Das Alter in 老 ist nicht nur eine Zahl von Jahren. Es trägt Achtung vor gereifter Erfahrung. Doch Erfahrung wird nicht automatisch zu Weisheit. 師 erinnert daran, dass eine Lehrbeziehung an einer Aufgabe sichtbar wird: jemand begleitet, prüft, widerspricht und weist einen Weg. Die Anrede ehrt diese Beziehung, sie hebt die Person nicht aus menschlicher Verantwortung heraus.

Haiku

Der alte Lehrer
stellt die Sandalen zur Tür
und hört lange zu

Im Zen

Rōshi bezeichnet im Zen achtungsvoll einen Shike, eine Person, die Übende anleitet. Wie eng der Titel gebraucht wird, unterscheidet sich nach Schule und Land. Im Rinzai-Zen ist er oft an eine besondere Lehrbestätigung gebunden. Im Sōtō-Zen ist der Gebrauch weniger einheitlich und keine allgemeine Amtsbezeichnung der ganzen Schule.

Darum ist Rōshi nicht einfach ein anderes Wort für Sensei oder Zenmeister:in. Sensei ist eine allgemeine japanische Anrede für lehrende Menschen. „Zenmeister:in“ ist eine deutsche Sammelbezeichnung ohne einheitliches japanisches Amt. Ein Titel kann Orientierung geben. Er ersetzt nicht das genaue Hinsehen auf Lehre, Verhalten und Verantwortung.

In der Altbäckersmühle

Die Seiten Altern und Lehrer erklären beide Teile des Worts und nennen Rōshi als ehrende Bezeichnung. Der Eintrag Wer ist Zenmeister:in, und warum? hält fest, dass es kein schulübergreifendes Verfahren für diesen Titel gibt. Auf der Seite der Tradition trägt Kobun Chino Otogawa den Zusatz Roshi.

Überlieferung

老師 bezeichnet im Japanischen einen alten Mönch oder alten Lehrer, ehrend auch einen Mönch von Gelehrsamkeit und Tugend.

Im heutigen Chinesisch ist 老師, vereinfacht 老师, das gewöhnliche Wort für Lehrerin oder Lehrer. Derselbe Zeichenverband trägt also je nach Sprache und Zusammenhang sehr unterschiedliches Gewicht.

Häufige Fragen

Wird der Titel Rōshi durch eine feste Prüfung verliehen?

Nicht überall. Voraussetzungen und Gebrauch unterscheiden sich zwischen Schulen und Ländern. Eine einzelne Regel für das gesamte Zen gibt es nicht.

Ist Rōshi dasselbe wie Zenmeister:in?

Nicht genau. „Zenmeister:in“ ist eine deutsche Sammelbezeichnung. Rōshi ist eine japanische ehrende Anrede mit unterschiedlichen Gebräuchen.

Was bedeutet 老師 im heutigen Chinesisch?

Es ist dort das alltägliche Wort für Lehrerin oder Lehrer und wird vereinfacht 老师 geschrieben. Im japanischen Zen ehrt 老師 den Shike, die Person, die im Kloster die Übung anleitet.

Für Expert:innen

老 hat sechs Striche, steht unter dem gleichnamigen Kangxi-Radikal 125 und wird in der vierten Klasse gelernt. Nach dem 角川新字源 ist es das Bild eines gebeugten alten Menschen mit langem Haar und Stock; das englische Wiktionary liest dieselben Teile als Mensch, Haar und Stock, das Shuowen erklärt es aus 人, 毛 und 匕 mit dem Weißwerden von Bart und Haar. 師 hat zehn Striche, steht unter 巾, Kangxi-Radikal 50, und wird in der fünften Klasse gelernt. Das 角川新字源 deutet es als eine Gruppe von zweitausendfünfhundert Soldaten um einen Hügel, daraus Leitung und Lehrer. Lesungen sind bei 老 Kun oiru und fukeru, On rō, bei 師 keine amtliche Kun-Lesung, außerhalb der Liste miyako und ikusa, On shi. Wörter sind 老僧 (rōsō), alter Mönch, 師家 (shike), leitende Lehrperson im Zen, 禅師 (zenji), Zen-Lehrer, und 師匠 (shishō), Meister oder Lehrperson. Im Zen ehrt 老師 den Shike; welche Voraussetzungen damit verbunden sind, ist nicht einheitlich. Das 精選版 日本国語大辞典 belegt den allgemeinen Sinn zuerst im 日本霊異記 (810 bis 824), den Zen-Sinn zuerst in Natsume Sōsekis Roman „Mon“ von 1910. Das sind Funde des Wörterbuchs, nicht der Beginn des Gebrauchs.

Vertiefen

Das Glossar der Mühle

Im Glossar stehen 104 Begriffe aus der Zen-Praxis und dem Leben in der Mühle, dazu 195 Schriftzeichen mit Pinselbild, Herkunft und Haiku, geordnet in elf Rubriken.

Grundlagen der Lehre · Zen-Erfahrung · Praxis und Form · Kloster, Ort und Linie · Texte und Chanten · Küche und Nahrung · Körper und Atem · Bogenschießen · Natur und Jahreslauf · Wörter des Lebens · Schrift und Kultur

Viele Schriftzeichen leben fest auf unseren Seiten: groß im Hintergrund einer Sektion, klein neben einem Titel. Im Verzeichnis findest du sie alle, mit Bedeutung und Fundort. Alle Kurse und Sesshins der Mühle im Überblick.

← Zurück zur Kanji-ÜbersichtZum Glossar →Zum Verzeichnis der Schriftzeichen →Übersicht Kurse →