Glossar

Was ist ein Asana?

Was bedeutet das Sanskritwort Asana?

Das Sanskritwort आसन, āsana, ist sächlich. Deshalb heißt es auf Deutsch das Asana oder ein Asana. Es gehört zur Wurzel ās, sitzen, und bezeichnet einen Sitz, eine Sitzweise oder eine Haltung. Die heute verbreitete Bedeutung Körperstellung entwickelte sich aus diesem älteren Sinn.

In Patañjalis Achtgliederweg ist āsana das dritte Glied. Patañjali beschreibt keine Abfolge zahlreicher Körperstellungen. Er kennzeichnet die Haltung knapp als fest und angenehm. Gemeint ist zunächst der Sitz, in dem eine meditative Übung getragen werden kann.

Wie entstanden die verschiedenen Asanas?

Haṭha-Yoga erweiterte das Spektrum der Körperhaltungen. Für die Haṭhayogapradīpikā schwankt die Datierung zwischen dem 14. und 15. Jahrhundert. In diesem Zusammenhang stehen 15 Haltungen, von denen vier als besonders wichtig hervortreten. Diese vier sind Sitzhaltungen: Siddhāsana, Padmāsana, Bhadrāsana und Siṃhāsana.

Eine erste nicht sitzende Haltung, Mayūrāsana, erscheint in der Vimānārcanākalpa aus dem 10. bis 11. Jahrhundert. Das sehr große Repertoire aus stehenden, liegenden, gedrehten, gestützten und umgekehrten Haltungen gehört jedoch vor allem zur Entwicklung des modernen Yoga. Im 20. Jahrhundert verbanden sich indische Übungsformen dabei auch mit Elementen westlicher Gymnastik und Körperkultur.

Ein Asana ist deshalb weder ausschließlich eine Meditationshaltung noch von Anfang an eine gymnastische Figur gewesen. Welche Bedeutung im Vordergrund steht, ergibt sich aus der jeweiligen Epoche und Yoga-Tradition.

Ist der Lotossitz ein Asana?

Ja. Padmāsana bedeutet Lotossitz, aus padma für Lotus und āsana für Sitz oder Haltung. Seine Grundform entspricht dem Lotossitz des Zen, 結跏趺坐, kekkafuza: Beide Füße liegen auf den gegenüberliegenden Oberschenkeln.

Diese Haltung ist nicht für jeden Körper geeignet. Im Zazen entscheidet nicht der äußerlich vollkommen wirkende Lotus über die Qualität der Übung. Eine stabile und aufrechte Meditationshaltung kann auch im halben Lotus, in einer anderen gekreuzten Sitzweise, kniend oder auf einem Stuhl entstehen. Der Körper wird nicht gewaltsam in eine Form gebracht.

Wie übst du ein Asana?

In einem Asana kannst du Ausrichtung, Bodenkontakt, Bewegung, Atem und auftretende Empfindungen wahrnehmen. Je nach Yogastil erhält Kraft, Beweglichkeit, Gleichgewicht, längeres Verweilen oder der Übergang zwischen Haltungen unterschiedliches Gewicht.

Yoga-Traditionen verbinden Asanas auch mit Prāṇa oder Chakren. Das sind Deutungen dieser Traditionen, keine medizinische Beschreibung körperlicher Vorgänge. Wenn eine Haltung Schmerzen verstärkt oder deutliche Beschwerden auslöst, veränderst oder beendest du die Übung. Anhaltende oder neu auftretende Beschwerden lässt du zuerst ärztlich und bei psychischer Belastung anschließend psychotherapeutisch abklären.

In der Altbäckersmühle wird der Körper im Yoga bewegt und nicht in eine vorgegebene Form gezwungen. So bleibt das Asana eine aufmerksame Haltung und keine Prüfung, die du bestehen musst.