Glossar

Was ist Dokusan?

Dokusan (独参) ist ein persönliches Gespräch zwischen einer übenden Person und einer Zen-Lehrperson. Es dient der konkreten Übung, etwa einer Frage zum Zazen, dem Verständnis eines Kōans oder einem Anliegen auf dem eigenen Weg.

Was bedeuten die Schriftzeichen 独参?

独 bedeutet allein. 参 kann das Aufsuchen einer höhergestellten Person oder die Teilnahme an einer Übung bezeichnen. Die ältere Zeichenform lautet 獨參. Der Wortsinn weist damit auf eine Person, die allein zur Lehrperson geht.

Das Wort 入室, nisshitsu, bedeutet in das Zimmer eintreten. Es kann sowohl die persönliche Unterweisung als auch die Aufnahme in die Dharma-Nachfolge bezeichnen. Nisshitsu gehört nicht nur zum Rinzai. Auch im Sōtō tritt eine übende Person zur individuellen Unterweisung in den Raum des Abtes.

参禅, sanzen, bedeutet allgemein Zen üben oder Zazen praktizieren. Im Rinzai kann dasselbe Wort im Zusammenhang einer formalen Kōan-Schulung das persönliche Prüfungsgespräch bezeichnen. Dokusan, Sanzen und Nisshitsu sind deshalb nicht in jedem Zusammenhang austauschbar.

Was geschieht im Dokusan?

Die übende Person betritt den Gesprächsraum allein. Sie bringt ihre Frage, ihr Anliegen oder ihre gegenwärtige Übung zur Sprache. Kobun beschrieb es so: ohne Lehrbuch und ohne Begleitung allein in den Raum treten, in dem jemand wartet.

Kobun Chino Otogawa beschreibt Dokusan als persönliches Einzelgespräch. Es ist bei ihm weder eine Beichtzeremonie noch ein öffentliches Ausbreiten von Problemen. Wer das Gespräch braucht, wird erwartet. Wer kein Anliegen hat, muss nicht kommen.

In der formalen Rinzai-Schulung kann die Person ihr Verständnis eines Kōans zeigen. Im Sōtō kann es um Zazen und andere Fragen des Übungswegs gehen. Im klassischen Sōtō gehört die Einzelunterweisung zu den Aufgaben des Abtes, neben den öffentlichen Lehrformen jōdō und shōsan.

Wie unterscheidet sich Dokusan vom Teishō?

Ein Teishō richtet sich an die versammelte Gemeinschaft. Dokusan ist das persönliche Gespräch über die eigene Übung. Im Teishō hören viele gemeinsam. Im Dokusan kommt die eigene Übung allein mit der Lehrperson zur Sprache.

Mehr zur öffentlichen Lehrform steht auf der Kanji-Seite Teishō. Beide Formen können während eines Sesshin vorkommen, ohne dieselbe Aufgabe zu erfüllen.

Wie unterscheiden sich Tassajara und die Altbäckersmühle?

In Tassajara heißt Dokusan ein formelles Gespräch mit dem Abt oder einer erfahrenen Dharma-Lehrperson. Ein formelles oder informelles Gespräch mit einer anderen Praxisleitung heißt dort Practice Discussion. Diese Unterscheidung gehört zur konkreten Form Tassajaras und ist keine allgemeine Übersetzung des japanischen Wortes.

Die Formen der Mühle kamen aus Tassajara über Kobun Chino Otogawa und Vanja Palmers, über Puregg und das Felsentor. In der Mühle führt der Dōshi das Dokusan, meist während der Sitzperioden. Der Jisha kündigt die Gesprächsmöglichkeit an. Wer sprechen möchte, zieht eine Karte unter der Sitzmatte hervor. Schülerinnen und Schüler melden sich mit einer kleinen Glocke vor dem Raum an; wer nicht Schüler ist, tritt ohne Zeichen ein. Begrüßung und Abschied geschehen mit Gasshō, danach kehrt die übende Person zum Zazen zurück.

Für das Gespräch gibt es kein vorgeschriebenes Thema. Diese Hausform ersetzt nicht die klassischen Bedeutungen von Dokusan, Nisshitsu und Sanzen.

Ist Dokusan vertraulich?

Ja, grundsätzlich. Vertraulichkeit für beide Seiten ist im Haus Voraussetzung des Einzelgesprächs; so steht es im Bodhisattva-Training.

Diese Vertraulichkeit ist nicht absolut. Nach sorgfältiger Abwägung sind Ausnahmen zum Schutz der mitteilenden Person, zum Schutz Dritter oder des Allgemeinwohls möglich. Ein verantwortlicher Rahmen verspricht deshalb keine grenzenlose Geheimhaltung bei erheblicher Gefährdung.

Dokusan ist ein geschützter Raum für die Übung, kein Ort zur Verleihung persönlichen Ranges. Es kann während eines Sesshin angeboten werden, bleibt aber eine eigene Lehrform.