Glossar

Was ist ein Bodhisattva?

Ein Bodhisattva (菩薩, japanisch bosatsu, Sanskrit bodhisattva, Pāli bodhisatta) war zunächst der Name des Buddha in seinen früheren Leben und auf seinem Weg zum Erwachen. In den Jātaka-Erzählungen erscheint der künftige Buddha in dieser Rolle. Erst im Mahāyāna wurde Bodhisattva zur Bezeichnung eines Weges, den alle Menschen unabhängig von Alter und Geschlecht betreten können.

Ein Bodhisattva richtet Erwachen auf das Wohl aller Wesen aus. Der Begriff bezeichnet sowohl Übende auf diesem Weg als auch große Gestalten wie Kannon, Monju und Fugen.

Was bedeutete Bodhisattva vor dem Mahāyāna?

Im frühen Buddhismus bezeichnete bodhisatta vor allem Gautama vor seiner Buddhaschaft, in früheren Leben und in der Zeit vor seinem Erwachen. Im Theravāda ist ein Bodhisattva an einen Entschluss zur künftigen Buddhaschaft und an die Voraussage eines lebenden Buddha gebunden.

Diese Voraussage heißt vyākaraṇa. Im Japanischen heißt sie 授記, juki. Die Überlieferung von Dīpaṅkara und dem Asketen Sumedha ist ein bekanntes Beispiel: Dīpaṅkara sagt Sumedha die künftige Buddhaschaft als Śākyamuni voraus.

Im Mahāyāna wurde das Vorbild des künftigen Buddha auf alle Übenden ausgeweitet. Der Bodhisattva-Weg beginnt dort mit dem Entschluss, Erwachen zum Wohl aller Wesen zu verwirklichen.

Was bedeutet das Wort Bodhisattva?

Bodhi bedeutet Erwachen. Bodhi heißt Erwachen, sattva Wesen; so kommt es zu Übersetzungen wie Erleuchtungswesen oder ein auf Erwachen ausgerichtetes Wesen.

Die Herkunft des Wortes ist jedoch nicht ganz sicher. Neben Wesen kommen für sattva auch eine Hingabe an das Erwachen und Kraft und Mut in Betracht; im Tibetischen heißt der Bodhisattva ein geistiger Held.

Die chinesische Langform 菩提薩埵, bodaisatta, gibt den Sanskritklang wieder. 覚有情 ist eine Bedeutungsübersetzung und kann als erwachendes oder zum Erwachen bestimmtes Wesen verstanden werden.

Was ist Bodhicitta?

Bodhicitta, japanisch 菩提心, bodaishin, ist die Absicht, vollständiges Erwachen zu verwirklichen, um Wesen wirksam helfen zu können.

Diese Absicht bestimmt den Bodhisattva-Weg. Sie meldet nicht, dass Erwachen bereits erreicht sei. Die Unterscheidung zwischen wünschendem und tätigem Bodhicitta beschreibt den Schritt vom Entschluss zur gelebten Übung.

Die Bodhisattva-Gelübde geben dieser Ausrichtung eine Form. Die sechs Paramitas sind Großzügigkeit, ethische Disziplin, Geduld, tatkräftige Ausdauer, Sammlung und Weisheit.

Verzichtet ein Bodhisattva auf Nirwana?

In Mahāyāna-Texten stehen zwei Lehren nebeneinander. In Sutren wie der Pañcaviṃśatisāhasrikā-prajñāpāramitā und dem Laṅkāvatāra-Sutra erscheint der Aufschub: Ein Bodhisattva tritt nicht ins Nirwana ein, solange Wesen im Samsara leiden. Im Sōtō beginnt der Weg nach den Mahāyāna-Sutren mit dem Gelübde, Erwachen zum Wohl aller Wesen zu erlangen und nicht ins Nirwana einzugehen, solange Wesen im Kreislauf von Geburt und Tod leiden.

Daneben steht besonders im Yogācāra die Lehre vom nicht verweilenden Nirwana, apratiṣṭhita nirvāṇa. Der Bodhisattva ist darin weder im Samsara gebunden noch in einem von den Wesen getrennten Nirwana festgelegt.

Beide Lehren sind überliefert; sie erklären das Verhältnis von Befreiung und Wirken für die Wesen verschieden.

Was bedeuten die Schriftzeichen 菩薩?

菩薩 wird bosatsu gelesen. Eine ältere Lesung ist bosachi. Die Zeichen sind eine verkürzte Lautübertragung von 菩提薩埵. 菩 wird im Japanischen für die Übertragung indischer Wörter gebraucht. 薩 wird ebenfalls für Lautübertragungen verwendet.

In Japan war 菩薩 nicht nur ein Lehrbegriff. Der Hof verlieh den Titel auch hoch angesehenen Mönchen. Gyōki war der erste, dem ein Kaiser den Titel Bodhisattva verlieh. Nach der Lehre 本地垂迹, honji suijaku, trugen auch Gottheiten den Titel, etwa Hachiman als 八幡大菩薩.

Wer sind Kannon, Monju und Fugen?

Kannon ist die Kurzform von Kanzeon. Beide geben Namen für Avalokiteśvara wieder, den Bodhisattva des Mitgefühls. Eine weitere Form ist Kanjizai. Mit „KAN JI ZAI BO SATSU“ beginnt das Herzsutra in der sinojapanischen Rezitation.

Im Herzsutra erkennt Avalokiteśvara, dass alle fünf Skandhas leer sind. Die Gestalt verbindet damit Mitgefühl und Weisheit.

Im Sōtō bilden Monju und Fugen ein Paar. Monju steht für Weisheit, Fugen für Mitgefühl. Im Sutrenbuch des San Francisco Zen Center ist die zeremonielle Zuordnung anders aufgebaut: Manjushri steht für große Weisheit, Samantabhadra für großes Wirken und Avalokiteshvara für großes Mitgefühl. Die Form von Tassajara und die paarweise Erklärung im Sōtō sind zweierlei.

Die Zeremonienformen der Altbäckersmühle kamen aus Tassajara über Kobun Chino Otogawa und Vanja Palmers in die Mühle. Die Linie der Mühle ist Kobun Chino und Vanja Palmers, nicht Shunryu Suzuki.

Kann jeder Mensch den Bodhisattva-Weg gehen?

Ja. Im Mahāyāna ist der Weg nicht auf mythische Gestalten oder bereits vollendete Menschen beschränkt. Er beginnt mit Bodhicitta, Gelübden und der Übung zum Wohl der Wesen.

Das Wort kann dabei verschiedene Stufen bezeichnen: einen Menschen am Anfang des Weges, eine weit fortgeschrittene Gestalt oder einen großen Bodhisattva wie Kannon. Der Zusammenhang entscheidet. Das gemeinsame Maß ist die Verbindung von Weisheit und Mitgefühl.