Glossar

Was ist ein Sesshin?

Sesshin (接心, auch 摂心) ist eine intensive, gewöhnlich mehrtägige Zeit gemeinsamer Zen-Praxis. Wiederholte Perioden von Zazen bilden ihren Schwerpunkt. Gehen, Mahlzeiten, Arbeit, Rezitation, Unterweisung und Schweigen können den gesamten Tag zu einer zusammenhängenden Übungsform verbinden.

Was bedeuten 接心 und 摂心?

Beide Schreibungen sind gebräuchlich und werden sesshin gelesen. 接 bedeutet verbinden, berühren oder in Kontakt bringen. 摂 bedeutet aufnehmen, sammeln oder ordnen. In der alten Zeichenform schreibt sich das zweite Wort 攝心.

Die Sōtō-Schule schreibt 攝心 und erklärt das Wort als Sammeln oder Einholen des Geistes. Kobun Chino Otogawa gab es im Englischen als „embracing mind“, den Geist umfassen, wieder. Kobun erklärte es so: Wer sitzt, dessen Geist umfasst die ganze Situation. Sammeln, berühren und umfassen gehören so zu verschiedenen Schreibungen und Auslegungen; beide Schreibungen sind gleichwertig gebräuchlich. Gleichbedeutend steht im Sōtō auch sesshin e 攝心會.

Im Japanischen erscheint der allgemeine buddhistische Sinn der Sammlung zuerst im Sangō shiiki von etwa 797. Der besondere Zen-Sinn einer festgelegten Zeit, in der Tag und Nacht ohne Unterbrechung gesessen wird, steht zuerst im Shōbōgenzō, im Kapitel Gyōji.

Wie lange dauert ein Sesshin?

Im japanischen Sōtō-Kloster dauert ein Sesshin gewöhnlich eine Woche, kann aber auch auf wenige Tage begrenzt sein. Der reguläre Tagesplan wird verändert, um mehr Zeit für Zazen zu schaffen. Gemeinschaftliche Arbeit und Schlaf werden dabei verringert oder ganz ausgesetzt. Das bekannteste Sesshin ist Rōhatsu vom 1. bis zum Morgen des 8. Dezember, dem Tag, an dem in Japan das Erwachen des Buddha gefeiert wird. Ein weiteres, danbi sesshin, erinnert an Eka, den zweiten Vorfahren in China, der sich nach der Überlieferung den Arm abschlug. Im japanischen Kloster ist das Jahr in zwei Übungszeiten geteilt; in ihnen findet etwa einmal im Monat ein Sesshin statt.

In Tassajara heißt Sesshin ein intensives Meditationsretreat, das gewöhnlich einen bis sieben Tage dauert. In der Altbäckersmühle gibt es Formen von wenigen Tagen bis zu acht Tagen. Eine feste Dauer gehört daher nicht zur Bedeutung des Wortes.

Wie sieht die Form in der Altbäckersmühle aus?

Die Formen der Mühle kamen aus Tassajara über Kobun Chino Otogawa und Vanja Palmers, über Puregg und das Felsentor.

In der Mühle wechseln Zazen und Kinhin einander ab. Rezitation, einfache Mahlzeiten und Samu, die gemeinschaftliche Arbeit, gehören zur Tagesstruktur. Ein Tagesplan des Hauses beginnt mit dem Han um 6.15 Uhr und dem ersten Zazen um 6.30 Uhr; am Vormittag stehen zwei Stunden Samu, am Nachmittag ein Impuls mit Fragen im Kreis. Damit unterscheidet sich diese Hausform von der klassischen Klosterbeschreibung, in der Arbeit während des Sesshin verringert oder ganz ausgesetzt werden kann.

Ein Teishō ist ein formeller Vortrag zur Lehre. Dokusan bietet Raum für ein persönliches Gespräch über die Übung. Beide Formen können zu einem Sesshin gehören, erfüllen aber verschiedene Aufgaben.

Warum wird im Sesshin geschwiegen?

Im Sesshin der Mühle wird in Stille gesessen, gegangen, gegessen und gearbeitet. Der Grund ist nicht, besonders spirituell zu werden, sondern weniger auszuweichen; so beschreibt es die Seite Sesshin des Hauses. Sitzen, Gehen, Essen und Arbeiten bleiben gemeinsame Handlungen, auch wenn sie nicht sprachlich begleitet werden.

In den Retreats der Mühle ist das Schweigen eine zentrale Übung, wie es im Bodhisattva-Training des Hauses steht. Das Sprechen wird auf das Notwendige und Heilsame beschränkt. Notwendige Mitteilungen bleiben also möglich. Im Haus heißt diese Form auch edles oder nobles Schweigen.

Ist ein Sesshin nur für erfahrene Übende geeignet?

Nein. Die Altbäckersmühle richtet Sesshin an Menschen mit Meditationserfahrung und an Personen, die bereit sind, sich auf Stille und eine verbindliche Form einzulassen. Welche Vorerfahrung ein Kurs voraussetzt, steht in seiner Beschreibung.

Die verdichtete Praxis kann körperlich und psychisch fordernd sein. Die Form ersetzt nicht die Verantwortung für gesundheitliche Grenzen. Beschwerden und notwendige Anpassungen gehören in ein rechtzeitiges Gespräch mit der Leitung.

Ein Sesshin ist kein Wettbewerb im Durchhalten. Sein Sinn liegt im Sammeln des gesamten Tages, nicht in einer möglichst großen Zahl ausgehaltener Sitzstunden.