Glossar

Was ist ein Rakusu?

Ein Rakusu (絡子, japanisch rakusu) ist eine kleine Form des buddhistischen Kesa. Es hängt an einem Band um den Hals und liegt mit seinem rechteckigen Stofffeld vor der Brust. In verschiedenen japanischen Zen-Traditionen wird es bei einer Ordination überreicht. Im Sōtō gehört es besonders zur Vorbereitung und Zeremonie der Laienordination Jukai.

Ein zweiter Name ist Kara (掛絡). Das Wort bezeichnet etwas, das man sich umhängt und umlegt; Zen- und Jōdo-Mönche tragen es über beiden Schultern vor der Brust.

Wie ist ein Rakusu aufgebaut?

Das Rakusu ist ein Kesa mit fünf Bahnen, eine Abwandlung des Fünf-Bahnen-Kesa.

Die fünf Bahnen bestehen aus zusammengenähten Stofffeldern. Hinzu kommen Randstücke und das Halsband. Die Rückseite kann mit einem weiteren Stoff versehen sein. Bei manchen Formen trägt sie ein weißes Feld, auf das die Lehrperson der Ordination schreibt, etwa Ort und Datum und den Namen, den die ordinierte Person empfängt.

Ein Rakusu ist kein großes Okesa, das lediglich verkleinert oder gefaltet wurde. Es besitzt eigene Proportionen und Nähregeln. In den Fukudenkai ist das Fünf-Streifen-Rakusu das erste Nähprojekt; fertig misst es etwa 35 mal 24 Zentimeter und verlangt doch ständige Anleitung.

Am linken Halteband kann ein Ring sitzen. Zum Kara gehört ein Ring aus Elfenbein; die japanische Sōtō-Organisation verlangt einen großen Ring aus Holz oder Kunststoff, die Fukudenkai-Gruppen lassen ihn weg.

Woher kommt das Rakusu?

Wie das Rakusu entstand, lässt sich nicht abschließend sagen.

Das kleine Gewand entwickelte sich in China aus dem Fünf-Bahnen-Kesa. Eine alte Überlieferung führt seinen Gebrauch auf Kaiserin Wu Zetian zurück, die Zen-Mönchen ein solches Gewand gegeben haben soll.

Zwei weitere Erklärungen sind ungesichert: Die kleine Form sei in Zeiten der Verfolgung verborgen getragen worden, oder sie sei erst durch Kleiderordnungen der Edo-Zeit entstanden.

Das Rakusu ist eine kleine Kesa-Form Ostasiens. Es entspricht nicht unmittelbar einem der drei ursprünglichen indischen Ordensgewänder. Obwohl es fünf Bahnen besitzt, wird es über Koromo, Kimono oder Alltagskleidung getragen und nicht wie das indische Untergewand verwendet.

Warum gab es ein kleines Gewand für die Arbeit?

In der Altbäckersmühle wird die Geschichte so weitergegeben, wie die Lehrer der Mühle sie von ihren eigenen Lehrern gehört haben: Die Kaiser sorgten dafür, dass die Zen-Mönche und Zen-Nonnen kein Geld vom Staat bekamen. Sie mussten selbst arbeiten und die Felder bestellen. Die Mönche und Nonnen der älteren Orden hatten das bis dahin nicht getan; die Zen-Leute waren die ersten, die arbeiten gingen. Für die Arbeit brauchten sie ein Gewand, in dem sie sich bewegen konnten. So entstand das kleine Gewand für die Arbeit. Ob das in China oder in Japan geschah, bleibt in dieser Erzählung offen.

Dass das Rakusu aus der Arbeit kommt, findet man auch in einer englischsprachigen Darstellung: Es sei entstanden, als Zen-Mönche körperlich arbeiteten und das große Kesa dabei zu unhandlich war. Schon im chinesischen Zen, dem Chan, gehörten Arbeit und Feldbau zum Leben der Klöster. Die um 810 entstandenen Regeln für dieses Klosterleben führt man auf Baizhang Huaihai zurück. Solche Arbeit wurde im buddhistischen Klosterleben traditionell nicht akzeptiert; sie ermöglichte den Chan-Gemeinschaften, sich selbst zu versorgen. Der Forscher Mario Poceski hält diese Neuerungen allerdings für weniger einzigartig, als man sie später darstellte. Im japanischen Zen heißt die gemeinsame Arbeit Samu und ist Teil der Übung; das Wort steht schon in Dōgens Schriften.

Warum wird ein Rakusu genäht?

In mehreren Sōtō-Linien nähen Menschen ihr Rakusu zur Vorbereitung auf Jukai. Stoffe werden gesammelt, zugeschnitten, gefaltet und mit vielen kleinen Stichen verbunden.

Eine deutschsprachige Nähanleitung für das Rakusu der Linie White Plum verlangt mindestens sieben gesammelte Stoffstücke und erlaubt höchstens 27.

Die Näharbeit verbindet Genauigkeit mit Wiederholung. Das Gewand entsteht nicht auf einmal. Feld für Feld und Naht für Naht wird sichtbar, was getragen werden soll. In den Nähgemeinschaften wird diese Arbeit als Teil der Vorbereitung auf Zuflucht und Gelübde verstanden.

Nicht jede Zen-Gemeinschaft verlangt ein selbst genähtes Rakusu. Es gibt auch gekaufte Rakusu, etwa im Stil der japanischen Sōtō-Verwaltung. Die konkrete Vorbereitung richtet sich nach Linie und Ordinationsform.

Welche Rolle hat das Rakusu bei Jukai?

In einem englischsprachigen Ablauf der Laienordination Zaike Tokudo werden ein buddhistischer Name und ein Rakusu im selben Abschnitt übergeben. Das Rakusu heißt dort Gewand mit fünf Bahnen (robe of five panels).

Die ordinierte Person legt das Gewand zuerst auf den Kopf und rezitiert den Gewandvers. Erst danach wird das Rakusu angelegt.

Jukai heißt das Empfangen der Gebote; die Laienordination heißt im Sōtō Zaike Tokudo. In der Altbäckersmühle heißt sie Jukai. Sie ist keine Ordination von Mönchen oder Nonnen. Auch bei der Ordination von Mönchen und Nonnen kann ein Rakusu übergeben werden, in der Linie Deshimaru etwa mit Ort, Datum und Namen auf der Rückseite.

Wie wird ein Rakusu getragen?

Das Stofffeld liegt vor der Brust. Ein Band führt um den Hals.

Die deutschsprachige Nähanleitung bittet, es auf der Toilette und bei der Küchenarbeit nicht zu tragen und es abzunehmen, bevor man um den Kyōsaku bittet, wo dieser Brauch besteht.

Das Rakusu kann über einem Koromo, einem Kimono oder schlichter Alltagskleidung getragen werden. Farben, Halsbandzeichen und Rückseiten unterscheiden sich nach Linie.

Welche Form gibt es in der Altbäckersmühle?

Die Hausanleitung der Altbäckersmühle nennt das Rakusu die kleine Form des Kesa, „das wie eine kleine Schürze vor der Brust getragen wird“. Während eines Sesshin wird es am Morgen nach dem letzten Zazen gemeinsam mit dem großen Kesa angelegt.

Nach einem Schlag der Klangschale bleiben alle sitzen. Wer ein Kesa oder Rakusu besitzt, holt es aus der Tasche und legt es auf den Kopf. Danach legen alle Anwesenden die Hände in Gasshō aneinander. Auch Menschen ohne eigenes Gewand nehmen an der Rezitation teil.

Der Gewandvers wird zweimal auf Japanisch und einmal auf Deutsch rezitiert. Anschließend legen die betreffenden Personen ihre Gewänder an. Alle verneigen sich im Sitzen und setzen das Zazen fort.

Was bedeuten die Schriftzeichen?

絡, raku, bedeutet umwinden, sich um etwas legen oder verbinden. Es verbindet 糸, Faden, mit dem Lautteil 各; zuerst meinte es grobe Watte, dann umwinden. Es hat zwölf Striche (Kangxi-Radikal 120) und gehört zu den Jōyō-Kanji.

子, su, dient in dieser Zusammensetzung als Nachsilbe eines Dingnamens. Die Lesung su ist eine Tō-on-Lesung, wie in isu (椅子), Stuhl, und sensu (扇子), Fächer.

絡子 ist die von der Sōtōshū verwendete Schreibung. Im klassischen Chinesisch bezeichnet dieselbe Zeichenfolge einen Netzbeutel. Der buddhistische japanische Gebrauch erschließt sich deshalb nicht durch eine bloße Einzelübersetzung der Zeichen.