Was ist Zazen?
Zazen (坐禅) ist das aufrechte Sitzen des Zen. Das Wort verbindet 坐, sitzen, mit 禅, meditative Versenkung und Zen. Zazen ist eine körperlich genaue und geistig wache Übung. Welche Aufmerksamkeit dabei im Vordergrund steht, unterscheidet sich je nach Schule und Übungsform.
Was bedeuten die Schriftzeichen?
坐 zeigt das Sitzen. 禅 geht über die chinesische Lautübertragung 禪那 auf das Sanskritwort dhyāna zurück. Neben 坐禅 kommt auch die Schreibung 座禅 vor. Für den ganzen Ausdruck gibt es kein festes Sanskritwort, aus dem er unmittelbar übersetzt wäre.
In Japan erscheint das Wort zuerst in der Reichschronik Shoku Nihongi zum Jahr 700, beim Mönch Dōshō. Dōgens Fukanzazengi machte die Sitzform im japanischen Sōtō besonders einflussreich. Dōgen schrieb eine erste Fassung 1227. Eine eigenhändige Überarbeitung von 1233 wird im Eiheiji bewahrt.
Ältere chinesische Anleitungen gingen voraus. Der Tiantai-Meister Zhiyi beschrieb im späten 6. Jahrhundert 25 Vorbereitungen des Sitzens. Aus ihnen stammt die Dreiheit: den Körper ordnen, den Atem ordnen und den Geist ordnen. Spätere Sitzanleitungen nahmen sie zum Vorbild; sie gilt im Sōtō wie im Rinzai. Den Abschnitt über das Sitzen übernahm Dōgen zu großen Teilen aus dem Zuochan yi des Changlu Zongze.
Welche Körperhaltung gehört zum Zazen?
Zazen kann im vollen oder halben Lotossitz geübt werden, im burmesischen Sitz, im Seiza oder auf einem Stuhl. Die Sōtō-Schule beschreibt alle diese Sitzweisen in ihrer Anleitung. Eine stabile, aufgerichtete Haltung ist entscheidender als das Erzwingen einer bestimmten Beinstellung.
Beim Sitzen auf dem Kissen liegt die rechte Handfläche auf dem linken Fuß, die linke Hand ruht in der rechten. Die Daumenspitzen berühren sich leicht. Die Hände liegen vor dem Unterbauch. Ohren und Schultern sowie Nase und Nabel werden ungefähr senkrecht ausgerichtet. Der Oberkörper bleibt aufrecht, ohne steif zu werden.
Im Sōtō bleiben die Augen leicht geöffnet. Der Blick fällt ungefähr in einem Winkel von 45 Grad nach unten, ohne einen Gegenstand festzuhalten. Die Zunge liegt am Gaumen hinter den Zähnen, der Mund bleibt geschlossen.
Vor dem Sitzen wird der Oberkörper einige Male nach links und rechts bewegt, bis er in der Mitte zur Ruhe kommt. Auch nach der Sitzperiode steht man nicht abrupt auf.
Wie wird im Zazen geatmet?
Der Atem geht ruhig durch die Nase und wird nicht gesteuert. Zu Beginn kann ein tiefer Ausatem stehen, im Sōtō kanki issoku genannt; danach bleibt der Atem sich selbst überlassen.
Beim Atemzählen erhält die Aufmerksamkeit zunächst eine klare Aufgabe. Andere Formen begleiten den Atem, ohne zu zählen. Im Shikantaza wird auch der Atem nicht dauerhaft als einzelnes Objekt festgehalten. Diese Methoden gehören zum weiteren Feld des Zazen, sind aber nicht miteinander identisch.
Was geschieht mit den Gedanken?
Gedanken, Erinnerungen, Geräusche und Körperempfindungen können erscheinen. Zazen verlangt keinen leeren Kopf. Ebenso wenig besteht die Übung darin, jeden Gedanken weiterzuführen. Wenn der Geist einer Geschichte folgt, kehrt die Aufmerksamkeit zur ganzen Sitzsituation zurück.
Der Ausdruck Hishiryō, den Dōgen im Fukanzazengi aufnimmt, bezeichnet ein Denken ohne Unterscheiden. Im Japanischen erscheint er zuerst in diesem Text von 1227. Hishiryō ist daher keine Anweisung zum Gedankenstopp, sondern eine Bestimmung der wachen Geisteshaltung im Sitzen.
Sitzen Sōtō und Rinzai in derselben Ausrichtung?
Nein. In der Sōtō-Schule sitzt man mit dem Gesicht zur Wand, in der Rinzai-Schule mit dem Rücken zur Wand und den anderen Übenden zugewandt. Beide Schulen üben Zazen, setzen jedoch verschiedene Schwerpunkte.
Im Sōtō erhielt Shikantaza besonderes Gewicht. In Rinzai-Linien kann das Sitzen durch Atemarbeit oder einen Kōan gebündelt werden. Diese Unterscheidung beschreibt Schwerpunkte, keine vollständige Trennung. Auch innerhalb einer Schule können sich Anleitungen unterscheiden.
Welche Zazen-Form übt die Altbäckersmühle?
Die Formen der Mühle gehen auf Kobun Chino Otogawa zurück, der sie in Tassajara einführte; über Vanja Palmers kamen sie in die Mühle. Mehr dazu auf der Seite Unsere Tradition. Die Mühle versteht Zazen vom Grundsatz her als formlose Übung; beim gemeinsamen Sitzen, etwa im Sesshin, bekommt es eine bestimmte Form.
In der Mühle sitzen die Übenden mit dem Gesicht zur Wand. Die Augen sind halb geschlossen, die Zunge liegt am Gaumen. Die Hände ruhen im Meditations-Mudra Hokkai-jōin: die rechte Hand offen etwas unterhalb des Nabels, die linke offen darauf, die Daumenspitzen berühren sich leicht.
Wie setzt sich Zazen in Bewegung fort?
Zazen endet nicht mit einer hastigen Bewegung. Nach dem Sitzen kann Kinhin, die Gehmeditation, folgen. In der Sōtō-Form verbindet sich ein halber Fuß Schrittweite mit einem vollständigen Atemzug. Sitzen und Gehen bleiben deutlich verschiedene Körperformen, führen aber dieselbe gesammelte Übung weiter. Eine überlieferte Lehre nennt sogar alle vier Haltungen des Körpers Zazen: Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen, 行住坐臥.
