Wer ist der Tenzo?
Der Tenzo (典座, japanisch tenzo) leitet im Zen-Kloster die Küche und trägt Verantwortung für die Mahlzeiten der Gemeinschaft.
Zum Amt gehört mehr als das Kochen am Herd. Im klassischen Zen-Kloster plant der Tenzo die Speisen, beschafft die Zutaten und leitet die Köche, die Reis, Suppe und Gemüse zubereiten, dazu die Helfer, die austeilen und danach aufräumen. In der Zen-Überlieferung gilt das Amt als Inbegriff von Sparsamkeit, Findigkeit, Dienst an anderen und achtsamer Übung des Dharma mitten im Alltag.
Welche Stellung hat der Tenzo im Kloster?
Der Tenzo gehört zu den Roku Chiji, den sechs Verwaltungsämtern eines Zen-Klosters. In der klassischen Reihenfolge steht er an fünfter Stelle.
Im China der Song-Zeit und im mittelalterlichen Japan versorgte der Tenzo die große Gemeinschaft der Mönchshalle. Unter ihm teilte der Hanjū (飯頭) Reis und Brei an die Gemeinschaft aus.
Zur Verantwortung gehören auch Speisen für Buddha und die Ahnenlehrer. Der Chiden betreut dagegen die Halle und richtet die Gaben am Altar. Küche und Altardienst berühren sich, bleiben aber verschiedene Ämter.
Im heutigen Sōtō ist der Tenzo nur in Ausbildungsklöstern ein dauerhaft tätiges Amt. Wichtig bleibt die Aufgabe bei Jukai-Versammlungen (jukai-e, 授戒會) und allen anderen Zusammenkünften, bei denen viele Menschen in einem Tempel zu verköstigen sind. In Tassajara, dem ersten Zen-Kloster außerhalb Asiens, gehört der Tenzo zu den sieben Ämtern der Klosterleitung.
Auch im Rinzai gehört der Tenzo zu den sechs Verwaltungsämtern der Ostseite. Dort heißt der Tenzo auch Seppōryō (雪峯寮), nach dem chinesischen Zen-Mönch Xuefeng Yicun (雪峰義存), der als Vorbild des Tenzo gilt. Er soll sich selbst um das Amt beworben und stets eine Reiskelle bei sich getragen haben; von ihm erzählt man auch, er sei einem Stück Gemüse nachgelaufen, das den Bach hinuntertrieb.
War der Tenzo immer ein Küchenamt?
Nein. Ursprünglich war der Tenzo für die Sitz- und Schlafplätze der Mönche und für Gewänder zuständig. In frühen chinesischen Übersetzungen indischer Ordensregeln (Vinaya) hatte er neun verschiedene Aufgaben, darunter Sitzplätze zuweisen, Gewänder und Speisen verteilen und Blumen und Räucherwerk für Opfergaben besorgen.
In der Tang-Zeit konnte Tenzo sogar ein anderer Name für den Tempelvorsteher sein. Zu dessen Aufgaben gehörte die Aufsicht über die Küche; vielleicht kommt daher die spätere Bedeutung „Leiter der Küche“.
Wörtlich heißt 典座 „für die Sitze zuständig“; woher der Name genau kommt, ist unsicher.
Was ist das Tenzo Kyōkun?
Dōgen verfasste im Frühjahr 1237 im Kōshōji in Fukakusa das Tenzo Kyōkun, die Unterweisung für den Tenzo.
Das Werk gehört zum Eihei Shingi, den Regeln für die klösterliche Gemeinschaft. Es ist kein Kapitel des Shōbōgenzō. Unter den sechs Schriften des Eihei Shingi steht das Tenzo Kyōkun an erster Stelle.
Am Ende nennt Dōgen drei Geisteshaltungen, Sanshin (三心), für die Arbeit in den Ämtern des Klosters:
- Kishin (喜心), der freudige Geist
- Rōshin (老心), der fürsorgliche oder elterliche Geist
- Daishin (大心), der weite oder große Geist
Diese Haltungen gelten nicht nur für die Küche. Sie beschreiben eine Weise, Verantwortung in jedem Klosteramt zu tragen.
Überliefert ist eine Abschrift von 1502 aus dem Eiheiji. 1667 wurde der Text zusammen mit den weiteren Schriften des Eihei Shingi gedruckt.
Was sind die drei Tugenden und sechs Geschmäcker?
Der Vers zur Mittagsmahlzeit beginnt mit den Zeichen 三徳六味: Die Speise der drei Tugenden (santoku) und sechs Geschmäcker (rokumi) wird Buddha und dem Sangha dargebracht, und alle Wesen sollen gleichermaßen davon genährt werden.
Die drei Tugenden sind:
- leicht und weich (keinan, 輕軟)
- rein und sauber (jōketsu, 淨潔)
- den Regeln gemäß (nyohō, 如法), also im Einklang mit den Speiseregeln, etwa zu Alkohol, Fleisch, scharfen Gewürzen und Lauchgewächsen
Die sechs Geschmäcker sind bitter, sauer, süß, scharf, salzig und mild.
Welche Form gibt es in der Altbäckersmühle?
In der Altbäckersmühle kochen bei Retreats keine professionellen Küchenkräfte, sondern Mitglieder des Sangha, die dafür begleitet und ausgebildet werden; das Kochen selbst ist Praxis. Dazu bietet das Haus Tenzo-Trainings an, etwa im Februar 2021 und im April 2023. Die Hilfe des Tenzo heißt im Haus Fukuten.
Mehr dazu unter Kochen als Praxis.
Was bedeuten die Schriftzeichen?
典 wird ten gelesen. Das Zeichen zeigt beschriebene Täfelchen (冊) auf einem Gestell (丌) und kann eine wichtige Schrift, eine Regel, eine Zeremonie oder das Verwalten bezeichnen.
座 hat als gewöhnliche On-Lesung za und bedeutet Sitz oder Sitzplatz. Im Wort 典座 wird es zo gelesen. Zo ist hier ein Tōsō-on (唐宋音), eine Lesung nach der mittelalterlichen chinesischen Aussprache ab der Song-Zeit. Diese Leseschicht gelangte besonders seit der Kamakura-Zeit durch Zen-Mönche nach Japan.
Die Fachlesung ist tenzo. Tenza ist eine Nebenlesung, im Zen aber nicht die bevorzugte Form. Mehr zu beiden Zeichen auf der Kanji-Seite Tenzo.
