Glossar

Wie atme ich richtig?

Gibt es eine einzig richtige Atemweise?

Nein. Der Atem verändert sich mit Ruhe, Bewegung, Schlaf, Belastung, Schmerz, Gefühlen und Erkrankungen. Ein einziges Muster kann nicht für jeden Menschen und jede Situation gelten. Richtig atmen bedeutet in einer Übung zunächst, den Atem nicht gewaltsam an eine Vorstellung anzupassen.

Bei gesunden Erwachsenen liegt die Atemfrequenz in Ruhe ungefähr zwischen 12 und 18 Atemzügen pro Minute. Diese Spanne ist kein Takt, den du herstellen musst. Auch ein besonders tiefer Atem ist nicht in jeder Lage besser.

Wie atmest du im Zazen?

Zu Beginn des Zazen richtest du deine Haltung ein und atmest einmal tief aus und ein. Diese vorbereitende Bewegung heißt kanki issoku. Danach schließt du den Mund und atmest ruhig durch die Nase. Du steuerst den Atem nicht. Ein langer Atem bleibt lang, ein kurzer Atem bleibt kurz.

Du atmest weder schwer noch geräuschvoll. Du presst ihn nicht in Hara oder Tanden und hältst die Aufmerksamkeit dort nicht mit Gewalt fest. Die Haltung gibt dem Atem Raum, während Einatmung und Ausatmung ihren eigenen Verlauf nehmen.

Diese Anleitung gehört zur Zazen-Praxis. Sie ist kein allgemeines Atemrezept für Sport, Krankheit, Schlaf oder jede Form von Meditation.

Was bedeutet Bauchatmung?

Bei der Einatmung zieht sich das Zwerchfell zusammen und senkt sich. Dadurch kann sich der Bauch sichtbar bewegen. Bauchatmung bezeichnet diese Beteiligung des Zwerchfells. Der Ausdruck bedeutet nicht, dass Luft in den Bauch strömt.

Du musst die Bauchdecke nicht möglichst weit herausdrücken. In der Körperarbeit kannst du die Bewegung wahrnehmen, ohne Tiefe, Länge oder Rhythmus zu erzwingen. Auch die Ausatmung muss nicht künstlich verlängert werden.

Was ist bei Hyperventilation zu beachten?

Hyperventilation bedeutet, dass mehr geatmet wird, als der Stoffwechsel gerade braucht. Dadurch können Schwindel, Kribbeln, Engegefühl, Atemnot oder Brustbeschwerden auftreten. Solche Symptome können auch andere Ursachen haben und erlauben keine Selbstdiagnose.

Wenn sie während einer Atemübung auftreten, unterbrich die Übung und kehre zu einer ungezwungenen Atmung zurück. Anhaltende, neue oder plötzlich auftretende Atembeschwerden lässt du zuerst ärztlich abklären. Bei psychischer Belastung kann anschließend eine psychotherapeutische Abklärung hinzukommen.

Richtiges Atmen ist im Zazen keine Leistung. Du bereitest den Atem einmal vor und lässt ihn danach natürlich kommen und gehen.