Kanji 辨 (Bendōwa) in Pinselschrift
辨

Japanisch  ben

unterscheiden, klären, bearbeiten

Unterscheiden und klären. Im Bendōwa wird daraus die ganze Hinwendung zum Weg.

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Was bedeutet das Kanji 辨 im Bendōwa?

Unterscheiden kann trennen, es kann aber auch klären, was eine Sache wirklich verlangt. 辨 (ben) ist das erste Kanji im Titel Bendōwa und bedeutet unterscheiden, klären und etwas bearbeiten. Im Wort bendō wird daraus die ganze Hinwendung zur Übung des Weges. Das einzelne Zeichen allein verspricht diese Hingabe noch nicht.

Das Zeichen

辨 wirkt wie ein schmaler Durchgang zwischen zwei ähnlichen Seiten. In seiner Mitte steht 刀, das Messer. Es trägt die Bedeutung, 辡 gibt den Laut. Das Bild vom Messer, das etwas auseinanderlegt, ist eine Herleitung. Eine andere sieht in den beiden Seiten zwei Parteien eines Rechtsstreits; dann hieße 辨 zuerst, über einen Streit zu urteilen.

Klarheit ist hier keine Stimmung. Sie ist eine Tätigkeit: hinsehen, unterscheiden und sich einer Sache annehmen. In der heutigen amtlichen Schreibung Japans ist die volle Form in 弁 aufgegangen. Dieses kurze Zeichen vereinigt mehrere ältere Zeichen und damit Bedeutungen, die ursprünglich getrennt waren.

Haiku

Zwei Wege im Gras.
Der Fuß weiß noch keine Antwort.
Ein Schritt macht sie klar.

Im Zen

Dōgens Bendōwa stellt Zazen als das rechte Tor des Buddha-Weges vor. Übung und Erleuchtung werden nicht zu zwei Stufen, zwischen denen ein Mensch sich hocharbeiten muss. Wer sich hinsetzt, ist schon eingetreten.

Das Wort bendō bedeutet, die ganze Kraft in die buddhistische Übung zu geben, besonders im Zen. Geschrieben wird es 辦道 oder 辨道. 辨 allein bedeutet unterscheiden und klären. Erst das ganze Wort trägt die Kraft und die Hinwendung. Was diese Übung meint, erklären die Einträge Was ist Zazen? und Was ist Shikantaza?.

In der Altbäckersmühle

Im Verzeichnis der Schriftzeichen trägt 辨 die Karte Bendōwa. Der Essay Shōbōgenzō Bendōwa: Zazen als das rechte Tor, Übung und Erleuchtung eins nennt die Einheit von Übung und Erleuchtung einen großen Satz, der im Bendōwa körperlich bleibt: „Ein Mensch setzt sich. Körper und Geist nehmen die Form des Zazen an. Genau dort, nicht in einer späteren Vollkommenheit, liegt das Tor.“

Hier geht es um das eine Zeichen im Titel. Es trägt die Bewegung des Unterscheidens und Klärens. Die ganze Lehre des Bendōwa lässt sich nicht in dieses Zeichen legen.

Überlieferung

Dōgen schrieb den Bendōwa 1231, vier Jahre nach seiner Rückkehr aus China. Der Text ist als Folge von achtzehn Fragen und Antworten gebaut. Er richtet sich an Ordinierte und Laien und setzt Zazen ins Zentrum.

Der Bendōwa gehört nicht zu Dōgens Fassungen des Shōbōgenzō mit fünfundsiebzig oder zwölf Kapiteln. Gefunden wurde er im 17. Jahrhundert, in der Ära Kanbun, in Kyōto. Hangyō Kōzen stellte ihn danach an den Anfang der Ausgabe mit fünfundneunzig Kapiteln.

Häufige Fragen

Bedeutet 辨 allein, sich dem Weg ganz zu widmen?

Nein. 辨 bedeutet unterscheiden, klären oder etwas bearbeiten. Die volle Hinwendung zur Übung gehört zum Wort bendō.

Warum sieht man heute meist 弁 statt 辨?

In der heutigen amtlichen Schreibung Japans sind 辨, 辯 und 瓣 in 弁 zusammengeführt. Dadurch trägt die kurze Form Bedeutungen mehrerer älterer Zeichen.

Ist der Bendōwa ein Kapitel des Shōbōgenzō?

In den heutigen Ausgaben mit fünfundneunzig Kapiteln steht er am Anfang. In Dōgens Fassungen mit fünfundsiebzig und zwölf Kapiteln ist er nicht enthalten.

Für Expert:innen

辨 hat sechzehn Striche und steht unter dem Kangxi-Radikal 辛, Nummer 160. Es ist kein Jōyō-Kanji. Kanjipedia führt es als alte Form (旧字) der amtlichen Form 弁. 弁 hat fünf Striche und wird in der fünften Grundschulklasse gelernt.

角川新字源, das englische und das japanische Wiktionary, das 普及版 字通 und das 漢語多功能字庫 nennen 辡 als Lautteil; alle außer 字通 nennen 刀 als Bedeutungsteil. 角川新字源 und 字庫 lesen darin das Teilen mit einem Messer. 字通 liest 辡 als zwei Parteien, die unter Eid streiten, und sieht den Ursprung von 辨 im Urteil über diesen Streit, nicht im Teilen; das englische Wiktionary erwägt das Bild zweier einander anklagender Gefangener. Die On-Lesung ist ben; die Kun-Lesungen wakimaeru und wakeru stehen außerhalb der amtlichen Jōyō-Liste. Gebräuchliche Wörter sind 弁える oder 辨える (wakimaeru), unterscheiden, und 弁当 oder 辨當 (bentō), eine Mahlzeit in der Box. Dazu kommen 弁別 oder 辨別 (benbetsu), Unterscheidung; 勘弁 oder 勘辨 (kanben), Nachsicht; und 辦道 oder 辨道 (bendō), alle Kraft in die buddhistische Übung geben.

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