Glossar

Was ist der Sangha?

Der Sangha (僧伽, japanisch sōgya, auch sōga, Sanskrit saṃgha, Pāli saṅgha) ist eine buddhistische Gemeinschaft. Das Wort bedeutete bereits im alten Indien Versammlung, Verband oder Gruppe. Im Buddhismus kann es den Orden der Mönche und Nonnen, die Gemeinschaft verwirklichter Menschen oder eine weiter gefasste Gemeinde der Übenden bezeichnen.

Diese Bedeutungen bestehen nebeneinander. Wer das Wort in einer Zufluchtsformel, einem Ordensrecht oder einem westlichen Zen-Zentrum hört, muss deshalb auf den Zusammenhang achten.

Bezeichnet Sangha nur Ordinierte?

Nein, nicht in allen buddhistischen Verwendungen. In der engen ordensrechtlichen Bedeutung bezeichnet Sangha die Gemeinschaft ordinierter Mönche und Nonnen. Wie viele Ordinierte eine Ordensgemeinde mindestens braucht, ist nicht einheitlich festgelegt: vier, drei oder für die förmliche Gemeinschaft fünf.

Im heutigen Theravāda wird Sangha gewöhnlich auf den Orden beschränkt. Für die umfassendere Gemeinde einschließlich der Laien steht im Pāli-Kanon auch parisā.

Daneben gibt es die vierfache Gemeinde 四衆, shishu: Mönche, Nonnen, Laienmänner und Laienfrauen. Diese weite Bedeutung ist weder eine bloß moderne noch eine ausschließlich westliche Neuerung. Sie steht auch im klassischen japanischen Wortgebrauch und im Sōtō.

Was ist der edle Sangha?

Der āryasaṅgha, der edle Sangha, umfasst Menschen, die mindestens die erste der vier Stufen des befreienden Weges erreicht haben. Dazu können Ordinierte und Laien gehören.

Als eines der Drei Juwelen kann Sangha daher unterschiedlich verstanden werden: als Orden oder als Gemeinschaft derjenigen, die den Weg verwirklicht haben; in allen Schulen steht dabei der edle Sangha an erster Stelle. Die Zugehörigkeit zu einem Orden und die Verwirklichung des Weges sind nicht dasselbe.

Was bedeuten örtlicher und umfassender Sangha?

現前僧 bezeichnet die an einem Ort gegenwärtige Gemeinde. 四方僧 bezeichnet die Gemeinschaft aller Orte und Zeiten, zu der auch künftige Ordinierte gehören. Die erste Bedeutung ist konkret: Menschen kommen zusammen, folgen Regeln und treffen gemeinsame Entscheidungen. Die zweite betrachtet Sangha als eine Gemeinschaft, die nicht auf die gerade versammelte Gruppe begrenzt ist.

Kobun Chino Otogawa spannte den Begriff noch weiter:

„Wir wissen, was Sangha in einem begrenzten Sinn ist, doch wir brauchen unser ganzes Leben, um zu verstehen, welche Art Sangha seit alten Zeiten bestanden hat.“

Kobun Chino Otogawa, Embracing Mind, eigene Übersetzung

An anderer Stelle sagt er, für Buddha bedeute Sangha das Ganze des Daseins, ohne Unterschied zwischen Buddhas Dasein und dem Dasein der Dinge. Diese Sicht hebt die Verantwortung einer wirklichen Gruppe nicht auf. Sie stellt die versammelte Gemeinde in einen größeren Zusammenhang.

Was bedeuten die Schriftzeichen 僧伽?

僧伽 ist eine ostasiatische Lautübertragung von saṃgha. 僧 ist selbst die Kurzform von 僧伽 und wird sō gelesen. Im Chinesischen und Japanischen wurde 僧 außerdem zum Wort für eine einzelne ordinierte Person.

衆 übersetzt saṃgha dem Sinn nach als Menge, Versammlung oder Gemeinschaft. 僧 gibt den Klang wieder. Eine einträchtige Gemeinde heißt 和合衆 oder 和合僧. Darin steht 和 für Harmonie und Frieden.

Im Sōtō steht für Sangha auch 僧祇, sōgi. In seiner ersten Bedeutung gibt 僧祇 saṃghika oder mahāsaṃghika wieder.

Wie wird Sangha im Sōtō gebraucht?

Im Sōtō bezeichnet Sangha den Orden, die vierfache Gemeinde und in einer noch weiteren Bedeutung Lehrer:innen, Übende und Unterstützer:innen in allen Bereichen des Daseins. 大衆, daishu, kann alle Menschen bezeichnen, die aktiv an einer buddhistischen Zeremonie teilnehmen, einschließlich Laien und Gästen. 僧堂, sōdō, ist die Sangha-Halle.

Auf dem Sutra-Blatt der Altbäckersmühle steht die Zuflucht zu Sangha neben Buddha und Dharma. Die Gemeinschaft gehört damit nicht nur zum sozialen Rahmen der Praxis. Sie ist selbst eine der drei Zufluchten.

Was bedeutet Sangha im heutigen Zen?

Im heutigen Zen heißt auch eine örtliche Gemeinschaft aus Laien und Ordinierten Sangha. Menschen sitzen, rezitieren, hören die Lehre und tragen den Alltag miteinander. Diese Verwendung schließt an die vierfache Gemeinde an.

Das Ideal ist die Eintracht, 和合, in gemeinsamer Übung. Zugleich erinnert Kobuns weite Deutung daran, dass keine Übungsgemeinschaft unabhängig vom übrigen Dasein besteht.