Glossar

Was ist ein Dōan?

Ein Dōan (堂行, japanisch dōan) ist im Sōtō der Gehilfe des Ino. Er lenkt die Bewegungen der Gemeinschaft: mit Signalen auf Schlaginstrumenten, mit Ansagen und mit Tafeln, die den Ablauf bekannt machen.

In der Form von Tassajara, dem ersten Zen-Kloster außerhalb Asiens, ist der Dōan die Person, die bei Zazen und Rezitation die Glocken schlägt, allen voran die Klangschale. Er kennt den Ablauf, beobachtet die Handlungen des Dōshi und setzt seine Schläge so, dass die Gemeinschaft gemeinsam beginnen, sich verbeugen, rezitieren oder in den nächsten Abschnitt einer Zeremonie wechseln kann.

Woher kommt das Wort Dōan?

Dōan ist eine Kurzform aus zwei Wörtern der Klosterordnung:

  • Dōsu (堂司) ist der Hallenverwalter, ein anderer Name des Ino.
  • Anja (行者) ist der Gehilfe, der innerhalb des Tempels verschiedene Dienste übernimmt.

堂 steht im Namen also für 堂司, den Ino, 行 für 行者. Darum liest 行 hier an, eine Lesung aus einer späteren Schicht chinesischer Lesungen im Japanischen (Tō-on oder Tōsō-on). Als gyōja gelesen, bezeichnet dasselbe Zeichenpaar 行者 einen Asketen oder religiös Übenden.

Gleich klingt der japanische Name des chinesischen Mönchs Daoan (道安, 312 bis 385), mit anderen Zeichen und ohne Bezug zum Amt.

Im mittelalterlichen China und Japan hatten solche Gehilfenämter Anwärter vor der Ordination inne; im heutigen japanischen Zen übernehmen sie Mönche in Ausbildung (unsui).

Was gehört zum Dienst des Dōan?

In einer Anleitung für den Dōan aus dem Green Gulch Farm Zen Center zeigt er Anfang und Ende einer Sitzperiode an, begleitet Niederwerfungen und gibt mit einem Glockenschlag das Zeichen, gemeinsam in eine Rezitation einzusetzen. Bei manchen Abläufen hört er dort auf die Stimme des Kokyō und setzt an bestimmten Stellen ein Glockenzeichen. In der Altbäckersmühle leitet der Kokyō den Chant an.

Wie verhält sich der Dōan zum Dōshi?

Der Dōshi vollzieht die zentralen zeremoniellen Handlungen. Er bringt etwa Räucherwerk dar oder macht Niederwerfungen. Der Dōan beobachtet diese Bewegungen und setzt die dazugehörigen Instrumentensignale.

In derselben Anleitung aus Green Gulch begleitet der Dōan den Eintritt des Dōshi, der Räucherwerk darbringt und sich dreimal niederwirft, mit drei großen Glockenschlägen; bei längeren Folgen von Verbeugungen zählt er mit. Das Signal antwortet also auf eine Handlung oder gibt der Gemeinschaft das Zeichen für den nächsten Schritt.

Welche Form gibt es in der Altbäckersmühle?

Auch in der Altbäckersmühle, in die Vanja Palmers diese Form gebracht hat, bedient der Dōan die Klangschale. Drei Schläge eröffnen das Sitzen; am Ende zeigen zwei Schläge an, dass Kinhin folgt, ein Schlag, dass die Sitzperiode endet. Das Inkin, eine kleine Stielglocke, gibt das Zeichen zum Aufstehen und kündigt mit einer schnellen Folge kleiner Schläge Niederwerfungen an; die Taku, zwei Schlaghölzer, rahmen das Gehen im Kinhin.

Der Leitfaden für Volontär:innen lädt nach vorheriger Einführung zur Mitwirkung beim Dōanryō ein, zu Instrumentenspiel und Altarreinigung. Zum Dōanryō gehören in der Form von Tassajara mehrere solcher Formdienste, etwa Dōan, Kokyō, Chiden und Tenken.

Was bedeuten die Schriftzeichen?

堂 hat die Lesung dō und bezeichnet eine Halle. Im Wort Dōan steht es verkürzt für 堂司, den Hallenverwalter oder Ino.

行 hat mehrere Lesungen. Hier liest es an wie in anja, Gehilfe, und in angya, Wanderschaft; mehr dazu auf der Kanji-Seite Gehen.

Zusammen heißt 堂行 also verkürzt „Gehilfe des Hallenverwalters“.