DAS WORT ZUM SONNTAG

Es ist nicht einfach so, dass es Wasser in der Welt gibt; innerhalb der Welt des Wassers gibt es eine Welt. Und das gilt nicht nur für das Wasser: Auch in den Wolken gibt es eine Welt der fühlenden Wesen; im Wind gibt es eine Welt der fühlenden Wesen; auch im Feuer gibt es eine Welt der fühlenden Wesen; in der Erde gibt es eine Welt der fühlenden Wesen. Im Reich des Dharma [Dharmadhātu, der Manifestation von Soheit] gibt es eine Welt der fühlenden Wesen; in einem einzigen Grashalm gibt es eine Welt der fühlenden Wesen; in einem einzigen Wanderstab gibt es eine Welt der fühlenden Wesen. Und wo immer es eine Welt der fühlenden Wesen gibt, da ist unweigerlich auch die Welt der Buddhas und der Ahnen. Warum das so ist, sollten wir sehr sorgfältig studieren.

Dōgen Zenji, Shōbōgenzō Sansuikyō (‘Das Sutra der Berge und Gewässer’)

Die gestrige Hitze wurde von einem nächtlichen Gewittersturm abgelöst, gefolgt von einem Temperatursturz und ausgiebigem Regen. Also ist etwas Lektüre zum Zeitvertreib angesagt, da das Studium des Sansuikyō selbst gerade nicht so verlockend ist. Kümmern wir uns also heute darum, “warum das so ist”. Mal schauen, was man sich bei den Weggefährten von der Tendai-Tradition so zu dem Thema erzählt. Das folgende Fundstückchen (wobei ich Brook Ziporyns Übersetzung recht frei wiedergebe) möchte ich gerne mit meinen Leser*innen teilen. Nicht zuletzt, weil es auf das ein halbes Jahrtausend jüngere Sansuikyō Dōgen Zenjis vorausweist.

Frage: Die äußere materielle Form des unbelebten Seienden ist nicht zugleich bewusst. Wie kann sie da die drei verdienstvollen Eigenschaften [Befreiung, Weisheit und die ungetrennte Gesamtheit des Seins] in sich vereinen – so dass du sagen kannst, die drei verdienstvollen Eigenschaften seien alldurchdringend?

Antwort: Es ist nicht nur die äußere materielle Form, die nicht zugleich mit Geist ausgestattet ist. Die materielle Form des eigenen Körpers ist nicht grundsätzlich anders als die von Gras, Bäumen, Fliesen und Ziegelsteinen. Aber wenn wir über die inhärente Konsequenz der verdienstvollen Eigenschaften [dass sie alles durchdringen] sprechen, ist es nicht nur der innere Geist [des belebten Seienden], der eine Transformation des Geistes ist. So wird sowohl über den inneren Geist als auch über die äußere materielle Form gesagt, dass, da der Geist weder innerlich noch äußerlich ist, auch die materielle Form weder innerlich noch äußerlich ist. Beide sind also sowohl innerlich als auch äußerlich.
Wegen der Reinheit des Geistes ist das Buddha-Land der Erwachten rein, aber auch umgekehrt ist aufgrund der Reinheit der Länder der Erwachten die Weisheit rein. Da sowohl Geist als auch materielle Form rein sind, sind alle Dharmas [Gegebenheiten] rein. Weil alle Dharmas rein sind, sind auch Geist und Körper rein. Wie könnten wir da sagen, dass der äußeren materiellen Form der Geist fehlt?

Jingqi Zhanran (荊溪湛然, 711 – 782), Zhiguan Yili (止觀義例,TT.46.451c)

Schön gesagt. Noch schöner, dass sich der Wind gelegt hat und der Regen nur noch ein feines, erfrischendes Nieseln ist. Mal nachschauen, ob das auch alles so passt …

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