Glossar

Was ist ein Futon?

Futon (蒲団) bezeichnete zuerst eine runde Sitzmatte aus Rohrkolbenblättern. Sie diente unter anderem dem Zazen. Später erweiterte sich die Bedeutung auf gepolsterte Sitzkissen und schließlich auf Bettzeug.

Was bedeuten die Schriftzeichen?

蒲 bedeutet Rohrkolben, Typha latifolia. 団 bezeichnet etwas Rundes oder Zusammengefasstes. 蒲団 war damit zunächst eine runde Matte aus geflochtenen Rohrkolbenblättern. Die Kolben der Pflanze dienten später auch als Füllung von Futons.

In der heute verbreiteten Schreibung 布団 ersetzt 布 das Zeichen 蒲 wegen seines ähnlichen Lautwerts. 布 bedeutet zwar Stoff, erklärt aber nicht die ursprüngliche Herkunft des Wortes. Die Deutung als Zusammensetzung aus „Stoff“ und „rund“ setzt daher zu spät an.

Die Aussprache futon gehört zu einer chinesisch geprägten Lautschicht, die zwischen dem 13. und dem 19. Jahrhundert durch Zen-Mönche und Kaufleute nach Japan gelangte. Zur selben Lautschicht gehören rin (鈴), andon (行灯) und fushin (普請).

Eine zweite, unsichere Herleitung führt das Wort auf 布毯 (futan) zurück.

Wie entwickelte sich die Bedeutung?

Dōgen verwendet 蒲団 im 13. Jahrhundert im Zusammenhang mit einer Sitzmatte. 1592 erscheint das Wort für ein Sitzkissen, 1638 für Bettzeug. Die Entwicklung verlief somit von der geflochtenen Sitzunterlage über das gepolsterte Kissen zum Schlafzeug.

Im heutigen Japan umfasst futon vor allem Bettzeug für den Boden. Dazu gehören eine Unterlage zum Liegen und eine Decke. Der westliche Gebrauch konzentriert sich stärker auf eine dünne Matratze oder ein daraus gebautes Schlafmöbel. Dieser heutige Gebrauch ist nicht die ältere Zen-Bedeutung.

In einem japanischen Übungskloster üben die Dōnai-Mönche im Zendō und schlafen nachts auch dort. Tagsüber rollen sie den Futon, ihr Bettzeug, zusammen und legen ihn auf die Ablage über dem Sitzplatz.

Ist ein Futon dasselbe wie ein Zafu?

Nein. Ein Zafu ist im Sōtō ein dickes rundes Sitzkissen für Zazen. Der ältere Futon war zunächst eine geflochtene Sitzmatte und konnte später auch ein Sitzkissen sein. Die Wörter überschneiden sich geschichtlich, bezeichnen in der heutigen Zen-Praxis aber nicht dieselbe Form.

Im Rinzai heißt ein flaches quadratisches Sitzkissen tanbuton, geschrieben 単布団. Im Sōtō heißt das runde dicke Kissen zafu, geschrieben 坐蒲. Beide Wörter bewahren Teile der älteren Material- und Sitzgeschichte, unterscheiden aber die konkrete Form des Kissens. Hakuin Ekaku, ein Rinzai-Meister, malte das Sitzkissen allerdings rund.

Ist ein Futon ein Zabuton?

Nein. Ein Zabuton ist eine flache Sitzmatte. Beim Zazen liegt es unter dem Zafu und nimmt die Knie auf. Das Wort enthält ebenfalls futon, bezeichnet aber eine andere Funktion als das erhöhte Sitzkissen.

Für einen Zen-Raum sind deshalb genaue Namen hilfreich: Zafu für das erhöhte Sitzkissen, Zabuton für die darunterliegende Matte und Futon im heutigen Japan vor allem für Bettzeug. In einem älteren Zen-Text meint 蒲団 dagegen die ursprüngliche Sitzmatte oder ein Sitzkissen.