Was ist Samadhi?
Samadhi (三昧) bezeichnet meditative Sammlung, in der der Geist nicht zerstreut ist. Das Sanskritwort samādhi kann das Zusammenfügen, Festigen oder Sammeln bezeichnen. Im Buddhismus steht es für die Sammlung auf einen Gegenstand und für Vertiefungen, aus denen Einsicht entstehen kann.
Was bedeuten die Schriftzeichen 三昧?
三昧, japanisch sanmai, ist eine Lautübertragung des Sanskritwortes. Die Zeichen wurden wegen ihres Klangs gewählt. Ihre Einzelbedeutungen erklären Samadhi nicht. 昧 kann für sich dunkel oder unklar bedeuten, doch diese Bedeutung gehört nicht zum buddhistischen Sinn der Lautübertragung.
Weitere Lautformen sind 三摩地 und 三摩提. Als Sinnübertragungen dienen 定, Sammlung oder Festigkeit, 等持, gleichmäßiges Halten, und 正受, rechtes Empfangen. In Zusammensetzungen wird sanmai auch zanmai gesprochen. Die Alltagssprache verwendet dieses Suffix für ein völliges Aufgehen in einer Tätigkeit. Seit der Neuzeit kann zanmai dabei ohne buddhistischen Sinn stehen, etwa in 放蕩三昧, einem Leben in lauter Ausschweifung. In Indien heißt samādhi auch das Hinscheiden eines Heiligen.
Welche Stellung hat Samadhi im Buddhismus?
Rechte Sammlung, sammā samādhi, ist das achte Glied des Achtfachen Pfades. Sie steht nicht für sich allein. In den drei Übungen Sittlichkeit, Sammlung und Weisheit bildet Sammlung die Mitte: Sittlichkeit hält vom Schädigenden ab, Sammlung bringt den Geist zur Ruhe, Weisheit erkennt die Wirklichkeit.
Samadhi ist daher nicht mit beliebiger Konzentration gleichzusetzen. Auch schädigendes Handeln kann hoch konzentriert ausgeführt werden. Rechte Sammlung steht in einer Übung, die Befreiung von Gier, Hass und Verblendung sucht.
Meditative Vertiefung ist ebenfalls kein dauerhafter Besitz. Sammlung entsteht unter Bedingungen und kann wieder vergehen. Sie kann Einsicht tragen, ersetzt diese aber nicht.
Der Tiantai-Meister Zhiyi unterschied im Makashikan, chinesisch 摩訶止観, vier Arten des Samadhi. Im Sōtō trägt ein Lehrgedicht das Wort im Titel: das Hōkyō zanmai, das Samadhi des Juwelenspiegels, das die Überlieferung Dongshan Liangjie zuschreibt. Es wird in der Morgenrezitation im Wechsel mit dem Sandōkai gesprochen.
Mehr zum Verhältnis von 三昧, 定 und 正定 steht auf der Kanji-Seite Konzentration.
Wie wird Samadhi im Zen verstanden?
Im Zen bezeichnet Samadhi die meditative Sammlung. Der Geist wird dabei nicht zusammengepresst. Gedanken können erscheinen, ohne die Aufmerksamkeit fortwährend in verschiedene Richtungen zu zerstreuen.
Dōgen schreibt im Bendōwa in der Übersetzung von Werner Kristkeitz: „Ihr Maßstab ist der Samādhi, in dem man sich selbst empfängt und benutzt.“ Um sich an diesem Samadhi zu erfreuen, so heißt es dort weiter, üben die Buddhas Zazen in der aufrechten Sitzhaltung als das wahre Tor zum Dharma.
Kobun Chino Otogawa nennt Zazen Sambhoga-Samadhi. Sambhoga versteht er als Empfangen und Wirkenlassen. Lesen, Schreiben, Pflanzen, Bauen oder Sprechen können bei ihm Samadhi heißen, wenn ein Mensch ganz in der jeweiligen Handlung gesammelt ist.
Sammlung ist so nicht auf eine abgeschlossene Sitzperiode begrenzt.
Ist Samadhi dasselbe wie Erleuchtung?
Nein. Samadhi bezeichnet Sammlung; Erwachen bezeichnet Einsicht und Verwirklichung. Tiefe Sammlung kann Einsicht ermöglichen, ist aber nicht automatisch Weisheit oder Befreiung.
Kobun nennt Samadhi und Kenshō vorübergehend und warnt davor, darin zu verweilen. Wer sich daran festhält, dem werden sie zum mächtigsten Māra, zum Widersacher auf dem Weg, und andere können ihn nicht mehr erreichen. Die Übung setzt sich deshalb im nächsten Gespräch, in der nächsten Aufgabe und im Umgang mit Irritationen fort.
Warum heißt der Tempel SanMaiDo?
Der Tempel der Altbäckersmühle trägt den Namen 三昧堂 SanMaiDo, „Samadhi-Tempel“. Der Tempel empfing diesen Namen von Kobun Chino Roshi. Sanmai ist die japanische Form von Samadhi. 堂, dō, bedeutet wörtlich Halle; im Hausnamen steht dafür Tempel. Im älteren japanischen Gebrauch heißt 三昧堂 eine Halle, in die sich Mönche zur Übung des Lotos-Samadhi oder des Nembutsu-Samadhi zurückziehen.
Der Name steht für innere Sammlung und tiefen Frieden; auf Deutsch heißt der Tempel auch „Tempel der Sammlung“. Mehr dazu auf der Seite Die Mühle heute und im Verzeichnis der Schriftzeichen.
Der Name verspricht keinen dauerhaft stillen Geist. Er bezeichnet die Richtung einer Praxis, in der Sitzen, Arbeit und alltägliches Handeln gesammelt ausgeführt werden.
