Glossar

Was kann ich tun, wenn mein Körper schmerzt?

Was ist Schmerz?

Im medizinischen Fachgebrauch ist Schmerz eine unangenehme Sinnes- und Gefühlserfahrung, die mit tatsächlicher oder möglicher Gewebeschädigung verbunden ist oder einer solchen Erfahrung ähnelt. Raja und Mitautor:innen formulierten diese Definition 2020 für die International Association for the Study of Pain.

Schmerz ist eine persönliche Erfahrung. Biologische, psychische und soziale Bedingungen können ihn beeinflussen. Schmerz ist nicht dasselbe wie Nozizeption, also die Verarbeitung potenziell schädigender Reize im Nervensystem. Auch ohne feststellbare Gewebeschädigung ist der berichtete Schmerz ernst zu nehmen.

Was tust du zuerst?

Neue, starke, zunehmende oder anhaltende Schmerzen lässt du ärztlich abklären. Bei plötzlich sehr starken Beschwerden oder weiteren Warnzeichen suchst du rasch medizinische Hilfe. Erst danach kann je nach Befund auch eine psychotherapeutische Abklärung oder Begleitung sinnvoll sein.

Bewegung, Atemwahrnehmung oder eine veränderte Haltung ersetzen diese Abklärung nicht. Eine Vorstellung von gestauter Energie oder einer körperlichen Blockade erklärt die Ursache eines Schmerzes ebenfalls nicht.

Wenn eine Übung den Schmerz verstärkt, unterbrich oder verändere sie. Der Körper muss keine Haltung um jeden Preis erfüllen.

Wie gehst du im Zazen mit Schmerz um?

Kobun Chino warnte davor, Schmerzen in den Beinen einfach weiterzudrücken. Der Raum des Sitzens ist kein Folterraum. Einem Übenden sagte er, das Knie müsse nach dem Sesshin vielleicht geröntgt werden. Kobuns Rat widerspricht der Vorstellung, ein schmerzhaft erzwungener Lotossitz sei besonders tiefes Zazen.

Im Sōtō-Zen kannst du auf einem Kissen, einer Bank oder einem Stuhl sitzen. Auch der burmesische Sitz oder ein halber Lotus sind möglich. Entscheidend ist eine stabile, aufrechte Haltung, die den Körper nicht gewaltsam festlegt. Wenn die Beine eingeschlafen sind, stehst du langsam und aufmerksam auf.

Reb Anderson beschreibt eine andere Seite der Übung: Du kannst Schmerz nahe und aufmerksam wahrnehmen, ohne ihn sofort gedanklich zu bearbeiten. Das ist eine Übungshaltung, keine Aufforderung zum Aushalten. Medizinische Grenzen bleiben bestehen.

Ist Schmerz ein spirituelles Versagen?

Nein. Schmerz beweist weder mangelnde Übung noch falsches Karma. Er macht einen Menschen auch nicht schuld an seinem Zustand. Zazen gibt keine Garantie auf Schmerzfreiheit. Es übt die gegenwärtige Haltung mit dem Körper, der tatsächlich da ist.