KOBUN CHINO ERINNERUNG’S SESSHIN

20 Jahre Erinnerung's Sesshin

Ein Erfahrungsbericht *Sitzen & Kochen*  …. Ob ich 6 Tage für das Kobun Erinnerung’s Sesshin in der Altbäckersmühle kochen möchte, fragte mich HoKai – vegan und lecker sollte es sein. Meine Berührungspunkte mit Zen waren bis dahin sehr spärlich gesät. Die Mühle habe ich auf der Suche nach einem schönen, stillen Ort für ein Retreat im Januar 2022 kennengelernt und mich direkt verliebt. Nun, das Zubereiten von köstlicher, friedlicher Nahrung für ebenso friedvolle Menschen liebe ich auch – ein Match. Dass ich in dieser Zeit 5 Stunden täglich sitzend auf dem Kissen verbringen würde, habe ich bei meinem „Ja“ zum Kochen nicht in Betracht gezogen. 

Kurz vor dem Sesshin kamen dann doch Zweifel: „Was wenn ich das nicht schaffe?“ Wenn mich das, was ich in mir in der Stille finde überfordert? HoKai: „Dann bin ich ja auch noch da.“ Okay, mit dieser Antwort beruhigte sich mein ängstlicher Anteil. Ich war bereit.

Ohne Erwartungen, unbedarft, kindlich naiv ging ich in das Sesshin mit der herzlichen Einladung von Pia und HoKai die gesamte Zeit im Dojo mit allen anderen zusammen zu sein. Ob ich das ‚schaffe‘, da mir doch die verantwortungsvolle Aufgabe der Verköstigung der kompletten Gruppe anvertraut war, wurde am ersten Tag klar. Vier helfende Hände werkelten mit mir 3 Stunden vor dem Mittagessen in der Küche. Geplant hatte ich alles alleine zu machen. Nun stellte sich heraus, dass ich konstant Unterstützung haben würde. Dementsprechend veränderte sich auch die Art meine Rolle der Tenzo zu füllen. Kommunikation und Organisation rückte mehr in den Vordergrund. Meine Kreativität entfaltete sich umso mehr, da nun mit mehr Händen auch mehr möglich war. Kurzerhand entschieden wir Brot nun selbst zu backen und den Speiseplan um die ein oder andere kulinarische Feinheit aufzuwerten. All dies entwickelte sich sehr organisch aus dem Geschehen heraus. „Das Lächeln der Radieschen“ von Edward Espe Brown leistete mir in meiner neuen Erfahrung ‚auf Zen zu kochen‘ gute Dienste. Browns Reflexionen über sein Ringen mit Gefühlen, der Verantwortung, dem Druck, den er sich selbst beim Kochen machte, konnte mitunter am eigenen Leib nachvollziehen und empfand es als sehr hilfreich, den Reflexionen des langjährigen Tenzo zu folgen.

Immer wieder schön und wichtig – den Kontrastreichtum unserer Lebenswelt. Bei uns in der Mühle gab es Black Bean Burger mit selbstgebackenen Brötchen, Salaten, Ofenkartoffeln und allerhand leckeren Dips. Im Nachbardorf in Nastätten, gab’s zeitgleich: Mettbrötchen zum Sonderpreis. Buntes Leben. Hilfreich zu erinnern ist: Sanfter flexibler Geist ist der Weg – so steht es auf dem Han. 

Dass ich mich neben dem Kochen auf die Praxis im Dojo einlassen konnte und als ‚Beginnerin‘ ein relativ anspruchsvolles Sesshin voll mitsitzen konnte, liegt auch an der liebevollen und entspannten Führung HoKais. „Ich halte mich im Hintergrund und schaue, dass es allen gut geht.“, zitierte HoKai seinen Lehrer Kobun – so habe ich ihn ebenfalls empfunden. Das hat es mir leicht gemacht ich zu sein, weit zu werden und mich nicht nur in der Küche, sondern auch in mir zu entfalten. Schon am zweiten Tag Zazen Praxis erfuhr ich eine tiefgreifende Veränderung. Die Ruhe, die sich in mir ausbreitete und meine Bemühungen aufrecht zu sitzen veränderte eine ewig alte und sehr schmerzhafte Blockade in meinem Rücken. Keine Schmerzen mehr beim Verbeugen. Ich brach innerlich in freudige Jubelstürme aus. Außen blieb ich ruhig, verbeugte mich von da an nur noch tiefer und genussvoller mit voller Hingabe. Welch wundervolles Geschenk. Demut und Hingabe sind mir seitdem viel näher, ganz konkret zugänglich geworden. Diese körperlich-seelisch-geistige Veränderung (#Embodiment) würde ich rückblickend als meinen Türöffner in die Zen Praxis bezeichnen. Gesessen habe ich schon vorher – mal mehr mal weniger. Wenn ich mich jetzt aufs Kissen setze, genieße ich eine tiefere Gelassenheit. Die hat sich übrigens auch ganz lebenspraktisch in einem Besuch in meiner Heimat, im Zusammensein mit meinen Eltern gezeigt. So ruhig und friedlich wie die 4 Tage nach dem Sesshin ging es bei uns vorher selten zu. Liebe konnte fließen. Was gibt es Schöneres?

Kobun selbst wurde für mich vor allem in einem der Vorträge von HoKai sehr lebendig. Seine Geschichte hat mich berührt. Dass er die Zazen Praxis in seiner Linie um den Stock (Kyosaku) gebracht hat, dass er sich trotz der Anweisung in Japan zu bleiben in ein Flugzeug mit dem Ziel USA gesetzt hat, dass er ein nahbarer und lebensfreudiger Mann war. Ein Mensch, der klar und stark seinen Weg gegangen ist und dabei deutliche Spuren in der Welt hinterlassen hat.

Das Sesshin endete am sechsten Tag mit einer Boddhisatva Zeremonie, in der 5 Schüler ihr Gelübde für ein Leben mit Buddha empfingen. 5 weitere Menschen, die sich auf ihren Weg machen, um Spuren des Mitgefühls und der Weisheit in diesem, unsererem gemeinsamen Lebensraum zu hinterlassen.

Ich freue mich sehr auf weitere Begegnungen in der Mühle und darauf die ein oder andere mit veganen Köstlichkeiten zu verwöhnen.

AnKi

Brot backen vegan lecker
Vegane Küche

2 Idee über “KOBUN CHINO ERINNERUNG’S SESSHIN

  1. Conny sagt:

    Liebe AnKi, was für ein lebendiger, leichter, tiefer und vertrauter Einblick in deine Sesshin-Tenzo-Mühlen- Erfahrung; vielen Dank dafür. Ich freue mich schon, dir demnächst die Möhren zu schnippeln oder was immer du dann brauchst, um deinen Kochkünsten freien Lauf zu lassen.

    • Ann-Kristin sagt:

      Hey Conny.
      Das klingt ja super! 🙂
      Das gemeinsame Werkeln in der Kueche, sich unterstuetzen und gegenseitig inspirieren, sind fuer mich echte Perlen am Tenzo sein in der Muehle.

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