VIRTUELLES ZENDO WEGEN CORONA

Zendo virtuell

Interessieren Dich Erfahrungsberichte vom Sesshin via Zoom? Hier findest Du eine kleine Auswahl vom Fasching Sesshin.

Alexandra:

Hier schicke ich Dir meinen Erfahrungsbericht vom Fastnachtssesshin, an dem ich gerade teilgenommen habe. Das Zoom Sesshin hat mir nämlich richtig gut getan. Ich konnte mich sehr gut zu Hause entspannen und auf die Sitzperioden und Yoga einlassen. Besonders spannend finde ich den Spagat zwischen Alltag und den Sitzperioden in der Stille. Wir hören immer wieder im Laufe unserer Übung, dass im Zen der Schwerpunkt auf der Praxis im Alltag liegt und im Sesshin zu Hause kann sich das dann auch zeigen. Für mich war es wirklich wichtig zu erfahren, wie ich mir zu Hause im Alltag immer wieder Auszeiten und Räume für mich und meine Übung schaffen und halten kann.

 

ShiGen:

Ich war gespannt, wie ich es als Mutter von kleinen Kindern schaffen kann, zu hause im Sesshin/Zazenkai zu üben. Ich habe in den letzten Monaten bereits an einem Zoom-Sesshin und einem Zoom-Zazenkai teilgenommen.

Das Ergebnis hat mich sehr überrascht: ich konnte Stille erleben, trotz und obwohl um mich herum das Familienleben weiter ging! Die Übergänge zwischen Stille und Alltag waren deutlicher/abrupter als im Sesshin, denn in den Pausen war keine Stille oder Schweigen möglich. Aber das Wechseln zwischen Kissen und Familie gelang mir meist gut. Stille zu erfahren ohne Ruhe zu haben, war für mich eine herausragende Erfahrung.

Und auch wenn mir die persönliche Nähe zu den Dojis und Mitübenden gefehlt hat, konnte ich doch unsere Verbindung spüren und mich getragen fühlen in der Gruppe.  Da ich aufgrund der Entfernung nicht oft an Sesshins teilnehmen kann (selbst wenn keine Pandemie herrscht), ist Zoom eine gute Alternative für mich geworden um mit anderen zu üben.

 

KyuFuNi:

Dieses Faschingssesshin war mein erstes virtuelles Sesshin und entsprechend angespannt war ich vor Beginn. 

Nachdem ich in den ersten Tagen mehr Sicherheit im Umgang mit der Technik bekommen  hatte, konnte ich mich gut auf die Zazenzeiten einlassen und es wurde für mich ein gutes und intensives Sesshin. 

Spannend war die enge Verknüpfung von normalem Alltag und den Schweigezeiten. Aber da Zazen sich ja im Alltag bewähren muss, war dies die Herausforderung: die Übung der Achtsamkeit direkt  in der Realität zu erproben. Besonders in den Samuzeiten ist mir dies nochmal intensiver klar geworden: achtsames Tun „nicht nur“ als Übung, sondern ganz real in meinem eigenen Haushalt um hier das Notwendige zu erledigen.

Sehr schön fand ich, wie die Gruppe sich angenähert hat und  wohltuender Kontakt eben über Lächeln und Winken entstand und sich so ein wenig Gemeinschaft entwickelte. Auch der Kontkt zu GenKi und KyuSei war gegeben und ein Dokusangespräch per Telefon war möglich und hilfreich.

 Ein Vorteil für mich war, dass ich nicht wegfahren musste, gerade auch bei der Wetterlage der letzten Tage. Allerdings ist es wichtig, mit dem Ablauf vertraut zu sein, für Menschen die Zazen mal ausprobieren möchten ist ein virtuelles Sesshin sicher nicht geeignet.

Natürlich ersetzt ein virtuelles Sesshin nicht den direkten Kontakt, aber bei der Frage gar kein Sesshin oder eines virtuell, befürworte ich inzwischen auch ein PC-Sesshin. Ich denke, beide Möglichkeiten haben ihre Berechtigung, je nach Situation. Und natürlich fahre ich gerne bei der nächsten Gelegenheit wieder in die Altbäckersmühle! 

 

Paola:

Heute morgen ist unser schönes Zoom Fastnachtssesshin zu Ende gegangen aber die Übung geht weiter ☺ ! 

Das ist sehr tröstlich und schön für mich, dass ich versuchen kann so viel wie möglich von unsrem schönen Sesshin weiter in meinem/unserem alltäglichen Leben zu leben.  Dadurch, dass ich ja jetzt schon zuhause bin und irgendwie ja auch nicht richtig weg war, scheinen diese beiden Erlebnisbereiche näher zusammenzuliegen als sonst..

Ich habe unser Zoom Fastnachtssehhin sehr genossen. Von Donnerstag Abend bis heute (Dienstag) morgen durften wir zusammen sein und zusammen üben. Mit dem Medium Zoom hat alles prima geklappt, ich bin nicht „rausgeflogen“ und es gab auch sonst keine technischen Schwierigkeiten. Am Donnerstagabend hatten wir eine kleine Einführung und schon ging es los mit zwei Runden Zazen und dazwischen natürlich KinHin. 

Ich hatte das Zoom November Sesshin schon mitgemacht und wusste noch, dass ich diesmal gerne mich und meine Familie etwas mehr auf das Sesshin vorbereiten wollte, da ich im November gemerkt hatte, dass es für mich nicht ganz einfach war, die Übergänge zwischen Sitzen in meinem Räumchen und dann wieder mich in der Familie bewegen, zu gestalten.

Also habe ich diesmal vorab mit meinem Mann gesprochen, um ihn ein bisschen „einzugrooven“ auf mögliche Herausforderungen und, dass ich mich auch selber unsicher fühle, wie ich mich während des Sesshins Zuhause am „besten“ verhalte. Rede ich mit meiner Familie und wenn ja wann? Nur wenn es wichtig ist oder..?

Ich habe auch mit meinen beiden heranwachsenden Töchtern geredet, ihnen erklärt wie so ein Sesshin in der Mühle normalerweise abläuft und, dass ich gerne versuchen möchte der Übung dort irgendwie nahe zu kommen, dass ich aber jederzeit (wenn ich nicht in Zazen bin-mein Mann war ja auch noch da☺) da und ansprechbar bin. Nur dass sie mich vielleicht nicht unbedingt irgendwelche Sachen fragen, wie: “ich habe jetzt Hunger, was kann ich denn essen?“..

Mein Mann hatte auch die Idee, bei uns im Treppenhaus eine Kopie des Sesshin Tagesaublaufs hinzuhängen, damit für alle immer klar ist, was ich so gerade mache und wann ich z.b. ansprechbar sein könnte.

Am Freitag hatte ich dann um die Mittagszeit noch einen Arzttermin mit meiner Tochter, der für mich auch ein bisschen aufregend war und ich habe gemerkt, dass ich am Abend sehr erschöpft war und, dass das sich gewöhnen an den Sesshin Tagesablauf, das Üben und dann parallel diese Aufgaben in der Familie zu haben mich ziemlich angestrengt haben. So dass ich am Abend als wir nach der schönen Teezeremonie eingeladen wurden, wenn wir mögen, etwas zu fragen, oder zu berichten wie der Tag so für uns war oder wie es uns gerade so geht, nicht richtig was „herausgebracht“ habe.

Fand es aber toll so einen Raum am Tag zu haben, wo ich mich potentiell (neben dem Dokusan) mitteilen kann, etwas fragen kann, wenn mir etwas unklar ist usw. Es hat auch geholfen die Verbindung zwischen uns in der Gruppe zu stärken und gab GenKi und KyuSei auch die Möglichkeit auf das einzugehen, was möglicherweise von uns an Unbehagen oder auch an Ausdruck von Freude kam, was sie auch stets mit großer Umsicht und Liebe getan haben (Ein Gassho für Euch, liebe GenKi und lieber KyuSei☺).

Am Freitag hatte ich gut geschlafen und konnte mich nun mehr auf meine Übung konzentrieren, was ich sehr genossen habe. In der schönen langen Mittagszeit/pause konnte ich einen schönen Spaziergang in strahlendem Sonnenschein mit meinem Mann machen und ich bin immer mehr im  Sesshin angekommen. 

Auch die schöne Yoga Übungen mit GenKi konnte ich sehr genießen und GenKi hat sich stets so bemüht uns im Bildschirm gut zu sehen und uns zu begleiten. Nach einiger Zeit hatten wir dann auch so ziemlich den Dreh raus, wie wir uns hinlegen konnten, so dass GenKi uns möglichst gut und ganz sehen konnte. Auch hier waren GenKi und KyuSei die ganze Zeit sehr achtsam und liebevoll, um uns so gut wie möglich zu begleiten. 

Es gab auch die Möglichkeit zum Dokusan. Wir bekamen, wenn wir wollten, in Absprache eine Uhrzeit angeboten und konnten dann GenKi und/oder KyuSei in ihrer neuen Wohnung in Wiesbaden anrufen. Das hat prima geklappt und war wunderschön. Ich hoffe nur dass es für GenKi und KyuSei nicht zu anstrengend war! Alles in allem kann ich sagen, dass dieses Sesshin wie auch das Fastnachts Sesshin im letzten Jahr, das ich noch vor Ort erleben durfte, wunderschön war und ich sehr dankbar bin, dass es so möglich ist und ich möchte GenKi und KyuSei sehr danken, dass sie so viele Anstrengungen auf sich nehmen, um das für uns so zu ermöglichen!

Besonders ist für mich diesmal, dass ich ja gar nicht weg war und sich das schöne Sesshin irgendwie in mein Leben zuhause mit meiner Familie verflochten hat. Und das war und ist sehr schön!

Herzlich und sehr dankbar, Paola ☺

 

SeiOn:

Ist ein Zoom-Sesshin ein „richtiges“ Sesshin? 

Zazen per Zoom, morgens oder abends, Yoga per Zoom, das ist inzwischen selbstverständliche, sozusagen alltägliche Praxis. Aber ein mehrtätiges Sesshin, zuhause auf dem Kissen, wie funktioniert das, ist das überhaupt machbar, sinnvoll? Vor meinem ersten Sesshin im November mit GenKi und KyuSei war ich eher skeptisch. Das gerade abgeschlossene traditionelle „Fastnachtssesshin“ war mein drittes per Zoom. Und es hat meine Überzeugung gefestigt, dass Zoom-Sesshins eine echte Alternative sind. Auf jeden Fall, solange Präsenzveranstaltungen nicht möglich sind – und vielleicht sogar darüber hinaus. 

Meine persönliche Erfahrung ist: Auch beim Zoomen findet sich – erstaunlicherweise? – die Gruppe schnell zusammen, es entstehen persönliche Verbindung, Wärme und Herzlichkeit unter den Teilnehmer*innen. Auch wenn wir uns nur am Bildschirm sehen. Das tägliche Teisho ist eine wunderbare Begleitung an den Sesshintagen, inspiriert und motiviert. Ebenso die Möglichkeit zum Einzelgesprächs (Dokusan) mit der Lehrerin, dem Lehrer. Und beim abendlichen gemeinsamen Teetrinken gibt es die Möglichkeit, sich auszutauschen, Fragen zu stellen. 

Bei einem „Präsenz-Sesshin“ bin ich weit weg vom Alltag, von den täglichen Aufgaben, und kann jeden Tag schweigend tiefer in die Praxis und die Stille eintauchen. Bei einem Zoom-Sesshin zuhause ist der Wechsel von Zazen und Alltag sehr viel direkter, abrupter. Und ich stelle immer wieder – überrascht und mit Freude – fest: Während eines Zoom-Sesshins bin ich bei allem, was ich tue, bei allen Alltagstätigkeiten, deutlich achtsamer, mehr im Hier und Jetzt, bei meinem Körper, bei meinem Atem. Ich denke, dass dazu gerade der direkte unmittelbare und täglich mehrfache Übergang von Sitzperioden und Yogaübungen in das Alltagsleben entscheidend beiträgt.

Für mich lautet daher die Antwort auf die Eingangsfrage: Ja, ein Zoom-Sesshin ist ein „richtiges“ Sesshin. Und es hilft mir ganz besonders, Zazen auch im Alltag zu leben. 

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Wir freuen uns, weiterhin mit Euch verbunden zu bleiben, bitte betretet unser Virtuelles Zendo.
& bitte bleibt gesund.

 

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