Glossar

Was erwartet mich beim ersten Zazen?

Beim ersten Zazen erwartet dich keine Aufnahmeprüfung. Du musst weder die Formen beherrschen noch vorher meditiert haben. Du betrittst einen fast leeren Zendō. Eine Buddhafigur steht dort, davor eine Kerze und eine Blume. Auf dem Boden liegen Sitzkissen. Jemand zeigt dir deinen Platz, vielleicht an einer Außenseite des Raumes. Du nimmst ein Kissen und spürst erst einmal, wie sich das Sitzen anfühlt. Vielleicht ist dir der Raum fremd. Vielleicht macht er dich neugierig: Was geschieht jetzt? Sorgen musst du dir nicht machen. Nach dem Ankommen betritt der Dōshi den Raum, also die Person, die das Zazen leitet, und eröffnet die Sitzperiode. In einem Sesshin für Anfänger:innen gibt es zuvor eine Einführung. Dann wird dir gezeigt, wie du dich hinsetzen kannst, welche Hilfsmittel es gibt und ob ein anderes Kissen besser passt.

Beim ersten Sitzen laden wir dich ein, dem Hasenbach zuzuhören. Das Fenster im Raum steht auf Kipp, und der Bach fließt. In der kühleren Jahreszeit brennt der Kamin. Das Feuer knistert und hält den Raum warm. Am Abend und am Morgen bleibt das elektrische Licht aus, nur Kerzen brennen. So hörst du zum ersten Mal in die Stille, obwohl der Bach fließt und das Feuer zu hören ist.

Für dein erstes Zazen reicht das: Du setzt dich hin, richtest dich auf und lässt den Körper nach und nach entspannen. Es muss sich noch nicht vertraut anfühlen.

Vielleicht fällt dir auf, dass einige Menschen barfuß sind. Im Haus werden keine Schuhe getragen. Neben den Roben und den Verbeugungen ist das wahrscheinlich eines der ersten Dinge, die du bemerkst.

Muss ich etwas können?

Nein. Niemand erwartet in der Altbäckersmühle auf Anhieb eine perfekte Form. Die Bewegungen im Zendō werden erklärt, beobachtet und nach und nach mitgeübt. Du musst vor deinem ersten Besuch nichts auswendig lernen, denn eine Form lernt der Körper beim Üben und nicht beim Lesen einer Beschreibung. Verbeugt wird im Gasshō, die Handflächen liegen dabei zusammen.

Wie lange sitzen wir?

Etwa fünfzehn Minuten vor Beginn ruft der Han zum Raum. Den Beginn der formellen Sitzperiode leitet der Dōshi. Eine Sitzperiode dauert 30 Minuten. Dann schlägt die Klangschale zweimal. Dieses eine Signal zeigt das Ende der Sitzperiode an und kündigt zugleich das Kinhin an, die Meditation im Gehen.

Du stehst auf und stellst dich vor dein Kissen. Wenn alle stehen, verneigt ihr euch gemeinsam. Dann beginnt das Kinhin. Ihr geht zehn Minuten im Uhrzeigersinn. Beim Stehen und Gehen liegen die Hände in Shashu: Die linke Hand ist zur Faust geschlossen, der Daumen liegt in der Faust, auf Höhe des Brustbeins. Die rechte Hand liegt darüber, Daumen über dem Daumen, und die Unterarme sind waagrecht.

Wie sitze ich beim ersten Mal?

Du sitzt mit dem Gesicht zur Wand, die Augen halb geschlossen, den Blick etwa einen Meter vor dir und die Zunge am Gaumen. Die rechte Hand liegt offen unter dem Nabel, die linke darauf, und die Daumen berühren sich.

Dazu kannst du auf einem Zafu, dem Sitzkissen, auf einer Sitzmatte oder auf einer Meditationsbank sitzen. Nicht jeder Körper trägt dieselbe Haltung, und von außen müssen nicht alle gleich aussehen. Welche Haltung zu dir passt, zeigt der Eintrag Welche Meditationshaltung ist die richtige?.

Was, wenn Knie oder Rücken nicht mitmachen?

Beim ersten Sitzen ist es oft noch nicht der Schmerz, der dich beschäftigt. Vielleicht strengt es dich an, aufrecht zu sitzen. Vielleicht schläft dir ein Bein ein. Du möchtest dich bewegen, während alle anderen still wie ein Berg sitzen, und willst nicht auffallen. Wenn deine Bewegung beim ersten Mal größer oder hörbarer ausfällt, ist das kein Drama. Das Gefühl dafür, wie wir uns im Zendō bewegen, wächst mit der Übung. Überfordert eine Haltung deinen Körper, braucht sie eine Anpassung, und bei Bedarf darfst du in der Altbäckersmühle auf einem Stuhl sitzen. Du hörst nach und nach auf anderes, weil du still wirst in dir. Was du bei Beschwerden tun kannst, steht unter Was kann ich tun, wenn mein Körper schmerzt?.

Was ziehe ich an?

Dunkle, ungemusterte Kleidung. Wer Roben trägt, trägt seine Roben. Wer zum ersten Mal kommt, „schmückt“ sich einfach mit dunkler Kleidung. Mehr dazu steht unter Was ziehe ich zur Meditation an?.

Was, wenn es sich nicht gut anfühlt?

Vielleicht sind die 30 Minuten ruhig. Vielleicht sind sie unruhig. Beides ist keine Note. Dein erstes Zazen beginnt damit, dass du deinen Platz einnimmst und mitsitzt. Was Zazen selbst bedeutet, steht unter Was ist Zazen?.

Anfänger:innen wie Geübte, jede:r ist willkommen.