Wie läuft eine Sitzperiode in der Mühle ab?
Eine formelle Sitzperiode ist eine gemeinsame Übungszeit im Zendō. Auf Zazen folgt Kinhin. Wo Rezitation und Niederwerfungen zum Tag gehören, kommen sie hinzu. Die folgende Liste führt der Reihe nach durch den Ablauf. Weitere Einzelheiten sind jeweils verlinkt.
- Etwa fünfzehn Minuten vor Beginn ruft der Han zum Zendō. Der Tenken schlägt ihn.
- Vor dem Sitzen verneigen sich die Übenden mit Gasshō zum eigenen Platz und anschließend in den Raum zu den Mitübenden. Diese Verneigungen heißen rin’i-monjin und taiza-monjin.
- Der Dōshi leitet den Beginn der formellen Sitzperiode. Eine Runde Zazen dauert in der Mühle 30 Minuten.
- Beim Zazen sitzen die Übenden mit dem Gesicht zur Wand. Die Augen bleiben halb geschlossen, der Blick ruht etwa einen Meter vor dem Körper, die Zunge liegt am Gaumen. Welche Meditationshaltung und welche Sitzhilfe passt, hängt vom eigenen Körper ab. Wer einen Stuhl braucht, benutzt einen.
- Die Hände bilden die Dhyāna-Mudrā: Die rechte Hand liegt offen unter dem Nabel, die linke darauf, die Daumen berühren sich.
- Das Ende des Zazen zeigt die Klangschale an. Der Dōshi leitet den Beginn des Kinhin mit einer Verneigung ein. Zwei Schläge der Klangschale kündigen das Kinhin an.
- Im Kinhin geht die Gemeinschaft zehn Minuten im Uhrzeigersinn. Die Hände liegen in Shashu: Die linke Hand ist zur Faust geschlossen, der Daumen liegt in der Faust, auf Höhe des Brustbeins. Die rechte Hand liegt darüber, Daumen über Daumen, die Unterarme sind waagrecht. Das Inkin, eine kleine Stielglocke, zeigt das Ende an. Mehr zu diesen Klängen steht beim Zendō.
- Wo Rezitationen zum Tag gehören, leitet der Kokyō sie an. Morgens wird das Herzsutra rezitiert, abends im Sesshin das Dai Hi Shin Darani. Wo Niederwerfungen zum Tag gehören, heißen sie Sanpai und gehören zu dritt zusammen. Der Dōshi bringt zuvor Räucherwerk am Altar dar. Eine schnelle Folge kleiner Schläge auf dem Inkin kündigt sie an. Jede Person verbeugt sich, geht auf die Knie und berührt mit der Stirn den Boden. Ein letztes Signal schließt die drei ab.
- Wenn der Dōshi den Raum verlässt, erklingt das Inkin zweimal und die Gemeinschaft verneigt sich.
Bei einem Sesshin werden die Formen am ersten Abend und am folgenden Tag noch einmal eingeführt. Nur in der Praxisperiode kommt Jundō, der Rundgang durch die Reihen, hinzu. Was ein Zazenkai ist, lässt sich dort nachlesen.
